New Music Reviews Januar 2020
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
MAGNUM - The Serpent Rings (2 LPs)
Steamhammer/Musikvertrieb
Es geht jetzt noch etwas mehr als zwei Jahre, und dann treten Frontmann Bob Catley und Gitarrist Tony Clarkin als Gründer ihres Babys Magnum ebenso in den elitären 50er-Klub der Bands ein, die das halbe Jahrhundert Karriere, wenn auch mit Break dazwischen, erreicht haben! Dies ist umso erstaunlicher, weil die Briten 1995 bekanntlich den Stecker zogen und dies mit dem hammermässigen Live-Album «The Last Dance» untermauerten. Nach zwei Alben unter der Flagge von Hard Rain stach die britische Fregatte ab 2002 jedoch wieder in See und hat seither nicht mehr nachgelassen. Mehr noch konnte die Truppe mit ihrem unverkennbaren Signature-Sound gar an Beliebtheit zulegen, die für das letzte Album «Lost On The Road To Eternity» (2018) in Deutschland und der Schweiz mit einer Chartplatzierung in den Top-10 (je Platz acht) gekrönt wurde. Mag sein, dass das inzwischen mehrjährige Mitwirken von Bob Catley bei Avantasia noch für zusätzlichen Schub gesorgt hat. Den eingefleischten Magnum-Fans wird das herzlich egal sein, solange ihre Lieblinge nach wie vor solch qualitativ hochstehende Mucke abliefern. Das gilt uneingeschränkt auch für den neuesten Wurf «The Serpent Rings», sprich das mittlerweile 21. Studioalbum (ohne die beiden Hard Rain Scheiben gerechnet). Diesmal kommt der flotte Opener «Where Are You Eden» ohne Intro aus und rockt gleich voll nach vorne los! Dabei sind abermals alle Ingredienzien vorhanden, die den typischen Magnum-Sound ausmachen. Die Kunst ist hierbei, trotz dem dicken roten Faden, schlicht und einfach packende wie balladeske Songs zu schreiben, die einander zwar stark gleichen, aber einfach das gewisse Etwas besitzen, um grossen Gefallen daran zu finden. «The Serpent Rings» reiht sich hier locker bei den vergangenen Glanztaten ein und lässt einen fast eine Stunde, sprich elf Songs lang, abheben. Eine kleine, aber erwähnenswerte Änderung hat dennoch stattgefunden, denn kein Geringerer als Kultmusiker und Producer-Ass Dennis Ward (!) hat seit Ende Juni 2019 den Platz von Al Barrow als fester Bassist übernommen. Somit bleibt der starke Wunsch, dass die Gesundheit weiterhin mitspielt und 2022 hoffentlich überdauert.
Rockslave  
Punkte: 9.5 von 10
ELEGY OF MADNESS – Invisible World  (CD)
Pride & Joy Music
Mit «Invisible World» serviert uns die italienische Symphonic Metal Band Elegy Of Madness ein weiteres hoch-episches Werk! Das vierte Studioalbum fasziniert in seiner Komplexität und Liebe zum Detail. Ein Gemisch aus elektronischen Einflüssen und symphonischen Einlagen komplettieren die treibenden Rhythmen und Klänge. Powerreiche Gitarrenriffe und fesselndes Schlagzeug bilden das Fundament der Musik. Schon beim ersten Hören bekommt man den Eindruck von episch aufbauender Musik, die im Tempo abwechslungsreich variiert und eine energiereiche Dynamik mit sich bringt. Jedoch beim genauen Hinhören fällt auf, mit wie vielen musikalischen Schichten das Sextett arbeitet und wie raffiniert ihre Kompositionen sind. Wenn der Fokus auf den Hintergrund gerichtet wird, sind neben den sonst schon dichten Klangwolke kleine Elemente wie eine zarte Geigenmelodie oder tiefe Bläser zu hören, die der Musik zusätzlich Auftrieb verleihen. Zudem faszinieren Elegy Of Madness mit konstanter Mehrstimmigkeit. Nicht nur, dass im Hintergrund oft epische Chöre zu finden sind, auch in der Hauptstimme sind oft mehrere Melodien zu hören. Sängerin Anja Irullo erinnert mit ihrem Gesang stark (!) an Charlotte Wessels (Delain) – im ersten Moment dachte ich wirklich, es wäre sie… Die Vokalistin fesselt mit ihrer kräftigen, emotionalen Stimme und variiert in einer grossen Vocalrange. Zudem wird mit den präzis eingesetzten Growls von Bandgründer Tony Tomasiccio eine weitere Komponente hinzugefügt, welche die Musik formt. Düstere, dumpfe Passagen dürfen natürlich neben den hoch-melodiösen Klängen auch nicht fehlen – damit wird neben der Abwechslung auch erreicht, dass Elegy of Madness mit der pompösen Grundlage nicht zu kitschig wirkt. Ganz ehrlich – hier haben wir eine Symphonic-Metal-Bombe, die mit den zusätzlichen elektronischen, teils fast schon technohaften Einflüssen eine eigene Note aufweist und definitiv für jeden Komplexitäts-Liebhaber nur empfohlen werden kann!
Sina   

Punkte: 9.5 von 10
RAGE – Wings Of Rage  (Gatefold 2 LPs)
Steamhammer/Musikvertrieb
Rage zählte für mich lange zu einer meiner liebsten Truppen, bis Victor Smolski das musikalische Rad an sich zog, ohne Wenn und Aber. Was sich vor dieser Zeit, der eigentliche Bandleader Peter «Peavy» Wagner, an tollen Songs aus den Fingern pflückte, war unglaublich. Ob es die Besetzung mit Efthi an den Drums und Manni an der Gitarre war, oder später mit Spiros und Sven als Quartett und zwei Gitarristen, es hat Spass gemacht. Das Flair des unbekümmerten Metals verlor nach und nach an Magie, als Victor versuchte, das Ganze mit klassischen Momenten, fehlerlosem Spiel und Arroganz in neue Bahnen zu lenken. Dies brach der Truppe fast das Genick, bis Peavy endlich feststellte, was der Band fehlte. Somit wurden Victor und (leider) auch André Hilgers gefeuert. Ersetzt wurden sie von Lucky (Drums, der ansonsten bei Tri State Corner singt) und dem genialen Gitarristen Marcos Rodriguez, beides Rage-Fans der ersten Stunde. Marcos bringt wieder dieses filigrane, verspielte und trotzdem songdienliche Spiel in die Band, welches mit Victor völlig in Vergessenheit geriet. Nach den beiden schon sehr tollen Alben «The Devil Strikes Again» (erinnerte viel an «Black In Mind») und «Seasons Of The Black», ist «Wings Of Rage» nun die Scheibe einer Truppe geworden, die sich endgültig gefunden und sich von allen/alten Lasten freigeschwommen hat. Dabei schippern die Jungs durch die ganze, eigene Vergangenheit und lassen mit «Let Them Rest In Peace» ein gefährliches Biest vom Stapel. Geschwindigkeit hatte immer Platz bei Rage, und so saust «Chasing The Twilight Zone» flott neben dem Hörer durch. Der perfekte Opener ist «True» mit einem tollen Chor und einem Marcos in Höchstform. Wie auch bei «Tomorrow», das ein unglaubliches Solo hat. Der Titelsong könnte von «Soundchaser» stammen, während «Shadow Over Deadland (The Twilight Transition)/A Nameless Grave» locker aus der Session von «XIII» sein könnte. Damals, als Rage zum ersten Mal ein Album mit einem Orchester einspielte, lange bevor das zum Trend wurde. «HTTS 2.0» ist nichts anders, als eine Neueinspielung des Uralthits «Higher Than The Sky» (ursprünglich aus dem Jahre 1996), welches tatsächlich noch eine Spur geiler erklingt. «For Those Who Wish To Die» endet mit einem feinen akustischen Gitarrenpart und unterstreicht, welch begnadeter Gitarrist Marcos ist. Vielleicht ist «Wings Of Rage» nicht das beste Album, aber sicher eines der drei besten. Peavy hat sein Fahrzeug wieder in die richtige Spur gebracht und überzeugt mit einem sehr facettenreichen Album, welches man sich problemlos mehrmals anhören kann.
Tinu  
Punkte: 9.3 von 10
SILVAINE/UNREQVITED – Time Without End  (Green Vinyl)
Prophecy Productions
Sinnliche Klänge und ruhiger Gesang leiten in „Time Without End“ ein. Das Album besteht aus vier Songs und ist eine Zusammenarbeit der norwegischen Sängerin Silvaine und der kanadischen Post/Black Metal-Band Unreqvited. Eine echt interessante Kombination, welche ganz andere Seiten dieses Genres hervorscheinen lässt. Denn, wer würde schon Black Metal mit Klavier und leisem Frauengesang in Verbindung bringen? Vermutlich die wenigsten. Im dritten Song „Interwoven“ kommt dann schliesslich neben dezentem Vogelgezwitscher auch eine E-Gitarre zum Vorschein, begleitet von einem Streichorcherster im Hintergrund. Die Stimmung ist sehr atmosphärisch, man fühlt sich, als würde man in einem tiefen, grünen Wald wandern. Schliesslich setzt auch noch das Schlagzeug ein und es wird eine Mischung erzeugt, die unter die Haut geht, ob jetzt leise oder dann etwas lärmiger im vierten Song „...“, als die E-Gitarre richtig loslässt, melodiöse Riffs hinschmettert, was einen wunderschönen Kontrast zu den vorherigen Takten gibt - geil! Was mir persönlich hier noch etwas fehlt, war der Gesang in den letzten beiden Liedern. Damit wäre das Tüpfchen auf dem i definitiv gesetzt worden.
Zoé   

Punkte: 9.2 von 10
MYSTIC PROPHECY – Metal Division  (Silver Vinyl)
ROAR! Rock Of Angels Records
Die deutsche Truppe Mystic Prophecy liefert seit 2001 immer wieder tollen Metal ab. Gross geworden ist die Truppe im Sänger Roberto Dimitri Liapakis bis heute nicht. Eher ein bescheidenes Leben führte der Fünfer, bei dem auch schon Wundergitarrist Gus G (Firewind, ehemals Ozzy) spielte, oder Dennis Ekdahl der Trommler von Raise Hell. Dass die Dame und die Herren auch immer wieder tolle Coverversionen veröffentlichten, kennt man nicht erst seit dem letzten Studiooutput «Monuments Uncovered». «Metal Division» liefert nun wieder reinrassigen Power Metal, der ab und an auch ein bisschen im Thrash/Speed Metal («Die With The Hammer») schnuppert. «Eye To Eye» ist ein kräftiges Abrisskommando mit einem tollen Refrain, der die melodische Note mit einfliessen lässt. «Hail To The King» kommt mit viel Hitpotenzial um die Ecke, während «Here Comes The Winter» mit einem unglaublichen Solo aufwartet und ein feiner, gefühlvoller Metaltrack ist. Unglaublich powervoll ist «Dracula», das vom besten Track «Together We Fall» abgelöst wird. Mystic Prophecy haben erneut ein tolles Album abgeliefert, welches nochmal eine Stufe besser ausgefallen ist als sein Vorgänger. Auch wenn sich die Jubelchöre der (Fach-) Presse überklingen werden, am Ende des Tages werden die Fans entscheiden, wie häufig sie «Metal Division» kaufen werden. Es würde sich lohnen, aber was dem Album fehlt, ist dieses gewisse Etwas, welches ein Album von Judas Priest, Megadeth, Overkill, oder KISS ausmacht. Da können die Soli noch dermassen vom Leder ziehen und dem ganzen den Hut aufsetzen. Vielleicht würde es auch Sinn machen, von diesen gegrowlten Parts wegzukommen und damit einen an und für sich genialen Metal-Track nicht am Schluss noch mit ultrabrutalen Parts zukleistern. Wenn schon ein Ohrwurm-artiger Teil vorhanden ist, sollte sich der nicht torpediert fühlen von einem "artfremden" Moment. Weniger kann mehr sein und hätte hier zu einem Killer-Album geführt.
Tinu   

Punkte: 9.0 von 10
DAWN OF SOLACE - Waves  (CD)
Noble Demon
Um ein Soloprojekt von Tuomas Saukkonen (Wolfhead/Before The Dawn) handelt es sich bei Dawn Of Solace. Mit dem neuen Album "Waves" kommt, nach dem Debüt "The Darkness", nach 13 Jahren wieder einmal ein Lebenszeichen von Dawn Of Solace. "Lead Wings" nimmt uns in eine Klanglandschaft mit, die reich an Düsternis und Melancholie ist. Die klare Stimme des ausdruckstarken Sängers fügt sich nahtlos in den Gesamtsound ein. Die Gitarrensolos sind ebenfalls ein weiteres Ausrufezeichen! Mit gemütlichem Tempo geht es in "Ashes" weiter und bietet Emotionen im Überfluss. Aufgrund der beeindruckenden Stimme des Sängers geht "Silence" in Richtung Dark Metal, was aber Dawn Of Solace ebenfalls bestens zu Gesichte steht! Wunderschöner Song, der mich bis über beide Ohren entzückt! "Hiding" startet zögerlich und wird von der gewaltigen Stimme getragen, um dann doch noch in Metal-Manier durchzustarten. Alles in allem treibt der Song aber in ruhigeren Gewässern. Das geile Gitarrensolo muss auf jeden Fall auch noch erwähnt werden. Mit harschen Riffs beginnt "Tuli" und zieht mit einer Endlos-Schleife seine Bahnen. Mit dem Einsatz des Keyboards wird das Gleichgewicht zwischen hart und zart perfekt eingependelt. "Numb" ist ein Ohrwurm, der mit geiler Gitarrenarbeit und Melancholie zu punkten weiss. "Choice" galoppiert so richtig davon und ist für Dawn Of Solace-Verhältnisse unheimlich flott unterwegs! Zumindest, bis ihnen die Puste ausgeht und man sich mit ruhigem Trab in eine ruhigere Gangart begibt. "Ghost" kommt dramatisch mit melancholischem Klavierspiel daher, und so endet dieses Album grossartig. Diese Ballade ist ein heisser Anwärter auf die Ballade des Jahres 2020. Dawn Of Solace haben mit "Waves" schon das erste Highlight in Sachen Doom 2020 abgeliefert!
Roolf 
Punkte: 9.0 von 10
APOCALYPTICA - Cell-0  (Mediabook)
Silver Lining Music/Warner
Schon das elegante Cover machte mich "gwundrig" und umso glücklicher bin ich, wenn ich endlich höre, was die finnischen Cellorocker mit diesem Baby veröffentlichen. Besonders erfreulich: es ist ein instrumentales Album. Apocalyptica ist eine Band, welche ich zwar von Herzen gerne mag, doch nicht oft höre. Das Problem dahinter liegt an den regulären Songs. Wird dazu gesungen, verliert die Musik den Reiz. Nach dem bombastischen Erfolg Plays Metallica By Four Cellos konnte mich keine Scheibe dieser sympathischen Herren so richtig mitreissen und es blieb bei einzelnen Songs die mir gefielen. Dieses Album hier zeigt die wahre Grösse eines jeden einzelnen Bandmitglieds und entführt mich gekonnt in eine dynamische, rockig-symphonische Welt. Headbangfaktor ist gegeben und dies ungezwungen. Lieber Eicca, Perrtu und co. Bitte bleibt bei instrumentalen Alben, das ist so viel geiler! Knapp 55 Minuten Fest für die Ohren. Die klassisch ausgebildeten Cellisten verbreiten nicht nur auf der Bühne ihren Charme, sie lassen ihn in die Musik einfliessen. Rock, neoklassicher Metal und Symphonische Musik sind eine sehr potente Mischung wenn man weiss wie. Cell-0 ist der beste Beweis dafür. Fans der Band kommen hoffentlich nächstes Wochenende in den Genuss dieses Sounds live im Hallenstadion, wenn Apocalyptica als Special Guest von Sabaton auftritt - eine Bühnenzusammenarbeit mit der Swedish War Machine ist zu erwarten (siehe Apocalyptica's Cover von Fields of Verdun und das neue Arrangement von Angels Calling), welche es leider nicht auf diese Scheibe schafften. Ganz so typisch Metal oder Rock ist dieses Album nicht, weshalb sich die Meinungen darüber wohl spalten würden. Reinhören ist aber besonders empfohlen. Kaufen umso mehr! Mein erster Kandidat für die Favoritenliste 2020.
Mona  
Punkte: 9.0 von 10
MINDEAD – Mindead
Metalapolis Records/Phonag
Mindead spielen Metal mit modernem Groove und griffigem Songwriting, gepaart mit Herz und Eigenständigkeit. Die Deutschen wissen, was sie wollen und konnten bis dato immer ihre Kritiker überzeugen. 2001 fanden sich um Frontmann Timo Fielker und Drummer Benjamin Hölle die passenden Leute, um aus der Idee Musik zu machen, eine Band zu formen. Von Anfang an lag der Fokus auf rhythmischem Metal, der hymnenartige Parts beinhaltet. Durch die gemeinsame Zeit mit Ill Nino wurde der Truppe der amerikanische Markt zugänglich gemacht. Nach einer kleineren Pause erschien 2015 das von Kritikern und Fans ebenfalls sehr euphorisch aufgenommene Album „Controlling The Tides“. Ein düsteres Werk in einem perfekten Setting für die Musik von Mindead. Nach über 200 Live-Aufritten auf Bühnen überall in der Republik und darüber hinaus hat der Fünfer ihren Sound perfektioniert. Zum starken Fundament kam immer mehr Tiefe hinzu. Heute spielt die Band Musik mit dem griffigen Songwriting des Modern Metal und dem „Wir-Gefühl“ einer wieder pulsierenden Metal-Szene. Beim dritten, selbstbetitelten Album „Mindead“ stiegen bei Fans und Band auch die Erwartungen massiv. Entscheidungen fielen kritischer aus und die Band wollte keine Wiederholung ihrer selbst. Genau das scheint ihnen auch geglückt zu sein. „Mindead“ klingt tiefer, intensiver, heavier. Einmal mehr zeigt die Truppe, dass Groove und Metal zusammengehören. Aggressivität hat kein Problem mit Atmosphäre und Melancholie, entsteht sie auf „Mindead“ schliesslich nicht selten daraus. Die 10 Songs der Platte sind abwechslungsreich, energiegeladen und überzeugend auf ganzer Linie.
Oliver H.
Punkte: 9.0 von 10
WOLVENCROWN – Of Bark And Ash  (LP)
Avantgarde Music
Wolvencrown ist ein Fünf-Mann-Projekt aus Nottingham, England das 2015 gegründet wurde. Seit der Gründung hat die Band eine EP und dieses Album hier veröffentlicht, das wir uns genauer anschauen werden. Der Stil der Band lässt sich als klassischer Black Metal mit Atmospheric-Elementen beschreiben. Was mir an dem Album direkt auffällt, ist das Cover-Artwork, das mich sehr an den klassischen Stil von Waldgeflüster, Panopticon oder Hermóšr Alben erinnert. «Earth’s Eternal Dawn» heist uns melodisch und schnell im Album willkommen, selbes gilt für Nr.2 «1194 pt.I», welcher noch ein bischen mehr auf Melodie legt. In den ersten zwei Tracks findet man direkt Parallelen zu Bands wie Fen und Winterfylleth, und das ist ein gutes Zeichen, die Band kann sich definitiv in einer reihe mit den eben genannten aufstellen lassen. «1194 pt.II» schraubt das Tempo noch etwas mehr runter und lebt haubtsächlich von langen, gut platzierten Riffs, die dem Song eine gewisse Atmosphäre geben. Diese Atmosphäre wird sauber mitgenommen und in «Infernal Throne» auf die spitze getrieben. Dieser Song ist vermutlich mein Liebling dieses Albums. Er ist extrem stimmig und mächtig und macht einen guten Mittelpart für das Album, bevor sich dann der Titeltrack «Of Bark And Ash» einreiht und diese Stimmung eins zu eins weiterführt. Hier fängt das Album an, richtig Spass zu machen. «Towards Broken Depths» und «Destined» sind beides Knaller, die man sich ruhig auf repeat anhören kann und der letzte Song «S.A.D» verabschiedet uns nicht weniger melodiös und kraftvoll. Das Album hat man gefühlt so schnell durchgehört, dass man es gleich nochmal starten kann. Es geht einem schnell ins ohr und hat grosses Lieblingssong-Potential. Alles in allem merkt man, dass die Künstler wissen was sie tun und ein Gespür für natürliche Atmosphäre haben. Ich habe hier grad einen kleinen Schatz entdeckt. Uuund rein in die Playlist.
Simu   
Punkte: 9.0 von 10
AGALLOCH – The White (EP) + The Grey (EP) (Re-Release)
Eisenwald
Agalloch... ist eine Herzensangelegenheit für mich. Die Band ist mehr oder weniger dafür verantwortlich, dass ich Black Metal so liebe, wie ich es tue. Der Mix zwischen Folk und sehr atmosphärischem Black Metal, den diese Band vertritt, hat mich schon immer gefesselt. Normalerweise finde ich das Prinzip von «Re-Releases» etwas unnötig, hier ist der Tribut aber richtig am Platze, diese Band hat es verdient. Agalloch ist... oder leider war, ein 4 Mann Projekt aus Portland, Oregon USA. Von der Gründung in 1995 bis zur Auflösung 2016 veröffentlichte die Band fünf Alben und unzählige Singles und EPs. Nach der Auflösung schlossen sich die band Mitglieder wieder zu einem Projekt zusammen, das wir unter dem Namen «Pillorian» kennen, ein Projekt, das sich mittlerweile ebenfalls aufgelöst hat. Nun aber zum Sound. Wir sollten ihn bisher alle kennen, und doch ist er einer Erwähnung wert. Starten wir mit «The White» und mit dem ersten Song, der uns direkt zeigt, wie atmosphärisch Agalloch sein kann. «The Isle Of Summer» beginnt mit Vogelzwitscher und Kindergesang und geht langsam in die, für Agalloch typischen, elektrischen und akustischen Saiteninstrumente, die uns mit einer repetitiven Melodie empfangen. «Birch Black» ist am Anfang ebenfalls akustisch, dann ein Kauderwelsch aus Keyboard, E-Gitarre und Bass, das sich erst langsam durch den Song zu einer Melodie formt. Der Track «Hollow Stone» ist extrem sphärisch und Dorne-mässig und fast schon zum Meditieren geeignet. Danach werden wir von Wassergeplätscher und fernen Trommeln und Hörnern geweckt, bis der Song wieder in den gleichen Stil der ersten zwei Tracks fällt. «Pantheist» ist ebenfalls der erste Song der EP, bei der wir Vocals haben. Zwar nur ein eintöniger Chor, aber immerhin etwas. «Birch white» nimmt den selben akustischen Stil weiter auf, und diesmal sogar mit richtigem Gesang. Dies zieht sich auch durch «Sowilo Rune» weiter, nur dass dort die Stimme wieder durch einen gut platzierten Synthi ausgetauscht wurde. Bei «Summerisle – Reprise» stoppt das ganze, denn dieses Lied ist rein auf dem Klavier gespielt und sehr nachdenklich. Mit dem Bonus-Track «Where Shade Once Was» endet «The White» und damit mit einem sehr schönen Abgang aus Geigen und einer Gitarre. Jetzt kommen wir zu der kürzeren EP «The Grey», die mit «The Lodge» einem sehr bekannten Agalloch-Titel beginnt. Der Song ist «Agalloch typisch», sehr atmosphärischer Black Metal mit starken Folk-Einflüssen. «Odal (Nothing Remix)» ist hingegen sehr merkwürdig, ein synthetisches dröhnen, das mich sehr an den Drone-Stil von sunn 0))) erinnert, einfach in nicht so gut. Das merkwürdige zieht sich auch weiter in den letzten Song der "The Grey" EP: «ShadowDub (How Beautiful Is A Funeral)». Dieser Track ist in jeder Hinsicht speziell. Er wurde noch nie veröffentlicht, und so hart es klingt, vielleicht wäre es besser dabei geblieben. Dieser Song lässt sich allerbestens als übersteuerter Hardstile auf Acid beschreiben und verfehlt meinen Stil gänzlich. Alles in allem ist der Re-Release der beiden EPs jedoch fantastisch und wichtig, um mal wieder ein bisschen in Agalloch-Nostalgie zu schwelgen.
Simu 
Punkte:
keine Wertung
WALDGEFLÜSTER – Stimmen im Wind (Re-Release LP&CD)
Nordvis Produktion
Aaaaaaah die «neue» Waldgeflüster ist da! Und damit herzlich willkommen zu: Liste meiner Lieblingsbands. Einen Platz sehr weit oben belegt nämlich die Band, um die es hier geht. Waldgeflüster. Die fünfköpfige Gruppe aus Deutschland, die 2005 noch als Solo-Projekt gestartet hatte, hat seit der Gründung eine Demo, zwei Singles und (dieses hier eingeschlossen) sechs Alben veröffentlicht. Auch wenn jeder Release von Waldgeflüster seine eigene Magie hat, ist der Split mit Panopticon, das «Meine Fesseln»- und das «Ruinen»-Album bei mir ganz oben mit dabei. Die Band schafft es, atmosphärischen Black Metal perfekt mit Natur und Nostalgie zu verbinden. Nostalgie kommt auch bei diesem Release auf, den genau genommen ist es ein Re–Release von ihrer Demo und somit dem ersten Schritt ihrer 15 jährigen Bandgeschichte. Der Sound sollte Fans von Waldgeflüster also schon bekannt sein, trotzdem nehmen wir es uns hier heraus, das Album Schritt für Schritt durchzugehen und in Nostalgie zu schwelgen. Wir steigen sanft ein mit dem Anfang von «Morgendämmerung», der akustisch eine Melodie anstimmt, die sofort auf härtere Weise weitergeführt wird. Hier sehen wir einen sehr rauen, harten Black Metal-Stil, der einem zeigt, wie sehr sich die Band von ihrer ersten Demo bis zu den neueren entwickelt hat, wenn man an den atmosphärischen Sound denkt, für den sie bekannt sind. Ab Mitte des Songs sieht man ein Stilmittel, für das die Band ebenfalls bekannt ist: Eine «Pause», in der man nur leicht Musik hört und uns in etwas energischer, beschwörerischer Stimme erzählt wird. Dieses Mittel bringt dem Sound eine gewisse Stimmung, was ich extrem an Waldgeflüster liebe. Auch andere deutsche Bands sind Meister darin, geworden. Firtan und Finsterforst zum Beispiel benutzen dieses Mittel ebenfalls recht oft. «02» ist ein weitaus atmosphärischer Track, der mit viel akustischen und melodiösen Stellen aufkreuzt und auch Clean Gesang zum besten gibt. Hier sieht man gut die Parallelen zu anderen Waldgeflüster-Releases. «Vintersjäl» ist sehr schleppend und treibt einen Langsam voran, auch hier erinnern die Vocals sehr an andere Alben wie zum Beispiel der Spitzenreiter «Ruinen». Die nächsten beiden Lieder «Wotan Sang» und «Wenn die bäume» sind wieder etwas roher und schneller gehalten, obwohl «Wenn die bäume» noch einen sehr melodischen Mittelpart aufweist. Der letzte Track «Abenddämmerung» ist wunderschön und Peak Waldgeflüster. Ein reiner Akustiktrack, der Natur und Atmosphäre vereint und einen zum Meditieren und Nachdenken anregt. Dieses Album hat eine perfekt Zusammensetzung und ruft sowohl Nostalgie hervor als auch ein Gefühl, dass Waldgeflüster nach wie vor wissen, was sie tun und ihren ganz eigenen Stil perfektioniert haben.
Simu    
Punkte:
keine Wertung
WACHT - La mort
Auric Records
Dem Duo von Wacht, bestehend aus Evangelion (Vocals) und Steynsberg (alle Instrumente), ist mit "la mort" ein einzigartiges und ganz spezielles Meisterwerk gelungen. Bei diesem dritten Album von Wacht wird auf spärliche Instrumentierung und eindringlichen Gesang gesetzt. Wenn das nicht schon speziell wäre, dann ist es sicher die rätoromanische Sprache, die sich ausgezeichnet für diese Art Musik eignet! Mit "Pers" beginnt der Reigen von tieftrauriger Musik gepaart mit Texten über Verlust und Tod. Die Traurigkeit kriecht in jede Pore der Haut und frisst einen förmlich auf! "Plövgia sainza guots" ist ein Song der bestens zur momentanen Wetterlage hier im Unterland passt. Grau und tödlich wie radioaktiver Niederschlag prasselt er auf die Hörerschaft herab. Irgendwie verstörend und doch auf seine eigene Art sehr schön. Vertonte Melancholie bietet "Meis ultim let" und geht einem durch Mark und Bein, so nachdenklich ist dieser Song. Wie die Faust aufs Auge passt die rätoromanische Sprache zu diesem eindrücklichen Stück Musik! "Istorgias" führt einem noch weiter die Abwärtsspirale hinab. Pure Melancholie, die mit todtrauriger Poesie versehen ist. Einfach sensationell, was Wacht hier abliefern! Alles andere als himmelhochjauchzend ist "Engiadina per sur tout". Eine triste Hymne, die sich durch die Hörgänge ins Gehirn frisst. Tödlich geht es mit dem Titeltrack "La mort" weiter und als Begleiter fungieren in diesem Song: Hoffnungslosigkeit, Melancholie und Tristesse. Nachdenklich wird es mit "La fossa sül sunteri", und so endet dieses Album ebenso genial, wie es begonnen hat. Auch wenn auf diesem Album kein Metal enthalten ist, so werden mannigfache Stimmungen und Bilder im Kopfkino erzeugt, die einen nicht so schnell aus ihren Fängen lässt! "La mort" ist ein stilles Album, in dem man sich verlieren kann!
Roolf   
Punkte: 9.0 von 10
DRAGONFLY – Zeitgeist  (CD)
Art Gates Records
Die hispanische Power Metal Band Dragonfly veröffentlicht ihr sechstes Studioalbum und macht uns eine Scheibe mit eingängigen, fesselnden Melodien und Rhythmen zugänglich. Das sich mit elektrischem Rhythmus, Choreinlagen und symphonischen Elementen episch aufbauende Intro «Zeitgeist» weckt Vorfreude auf heroische Motive und direkt einschlagende Energie. Mit «El Guardian Del Tiempo» werden die aufgebauten Erwartungen definitiv geliefert, wenn nicht sogar übertroffen. Schnell wird klar, dass dominante Keyboardmelodien, powerreiche Gitarrenriffe, und starker, intensiver Gesang die Musik Dragonflys definieren. Die aus Argentinien und Spanien stammende Band baut in jedem Track eine Dynamik auf, die in mitreissenden Refrains mündet und in den Bridges virtuos weitergesponnen wird. Spannend sind auch die Sprachverhältnisse – ein englischer Bandname, ein deutscher Albumtitel und spanisch gesungene Texte, die definitiv ihren eigenen, fast einzigartigen Effekt haben. Sowieso überzeugt die sehr dichte und kräftige Stimme Pablo Solanos sofort! Allgemein wird hier toller, abwechslungsreicher Power Metal produziert, der meiner Meinung nach durch die spanische Sprache, durch die schönen, ergreifenden Refrains und fesselnden Verläufe eine eigene Note aufweist und sich von anderen Bands im selben Genre abhebt. Ihre Musik ist komplex aufgebaut und wirkt daher überhaupt nicht monoton (was im Power Metal noch schnell passieren kann). «Zeitgeist» hat eine bemerkenswerte Energie, die den Hörer umhaut und durch alle acht Songs durchgezogen wird. I like it!
Sina    
Punkte: 8.8 von 10
PORTA NIGRA – Schöpfungswut  (CD)
Soulseller Records
Die Avantgarde/Black Metal-Band aus Deutschland ist mit ihrer Gründung 2010 relativ jung, wenn man andere Bands im Black Metal betrachtet, das schadet ihrer Einzigartigkeit aber kein bisschen. Thematisch bewegt sich Porta Nigra im «Fin de siècle» also in der Zeit um die Jahrhundertwenden des neuzehnten Jahrhunderts und den dort stattfindenden ersten Weltkrieg. «Schöpfungswut» ist nach «Fin de siècle» und «Kaiserschnitt» das dritte Album aus Porta Nigras Feder. Das Album startet stark. «Die Kosmiker» begrüsst einen wie die Trommeln einer Schlacht und treibt einen schnell und kraftvoll weiter. Der erste Song verrät uns: Das Album macht Stimmung! «Das Rad des Nixon» geht in gleichem Tempo weiter, ist aber etwas mehr auf die Vocals fokussiert. Die Stimme ist einzigartig, aber trifft genau meinen Geschmack, Lob an den Sänger an dieser Stelle. «Die Augen des Basilisken» ist ein sehr melodisches Stück, das nicht nur den Gesang, sondern auch die Gitarre besonders hervorhebt. Generell muss ich bei dieser Band an Firtan, aber auch Carach Angren denken. Bei «Die Entweihung von Freya» haben wir einen etwas Schleppenden Rhythmus am Anfang, der aber nach dem ersten Viertel in die gewohnte Geschwindigkeit übergeht. Der Song ist wieder sehr gitarrenlastig und im letzteren Abschnitt schafft die Band einen schöne Balance zwischen Clean und Growl Vocals. Der zweitletzte Track «Unser weg nach Elysium» bläst uns etwas eintönig, aber ohne Pause und mit einem Chor durch, bis uns dann «Schöpfungswut» sehr kraftvoll und mächtig aus dem Album verabschiedet. Ich muss ehrlich zugestehen, dass mir der Name Porta Nigra bisher nicht wirklich ein Begriff war. Die Jungs sind aber ab heute klarer Bestandteil meiner Playlists.
Simu   
Punkte: 8.7 von 10
RICKY DIAMOND - Already Dead  (CD)
Bad Reputation
Das spanische Stoner Metal-Powertrio könnte jene glücklich machen, denen Black Label Society in den letzten Jahren etwas zu handzahm geworden sind. Sänger/Gitarrist Arikat Yuseft mag zwar nicht so flitzefingerig übers Griffbrett solieren wie Zakk Wylde, aber in Sachen Attitüde, brachialem Brüllgesang und bluesgetränkten Bulldozer-Riffs steht er dem grossen Meister in nichts nach. Dabei begeht die Band nicht den kapitalen Fehler, die Härte um der Härte Willen zu zelebrieren, wie es dereinst z.B. Pantera mit „Far Beyond Driven“ (1994) und „The Great Southern Trendkill“ (1996) taten, sondern lassen den Songs die nötige Luft um zu atmen und gönnen ihnen stets eine ordentliche Portion Groove und Dynamik. Zieht euch mal auf Youtube den Videoclip zu „M.O.M Told Me So“ rein, dann wisst ihr in etwa, wo bei dieser Truppe der Hammer hängt. Die Band findet immer das angenehme Gleichgewicht zwischen Stumpfsinn und Anspruch, Herz und Härte, Melodie und Krach, ohne sich dabei auf zerfahrene Experimente einzulassen, was den Songs trotz der beeindruckenden sonoren Muskelmasse viel Zugänglichkeit verleiht. Sperrig ist jedenfalls auf diesem Langdreher rein gar nichts, was der abschliessende, bluesig-akustisch gehaltene Bonustrack „Morphine Lips“ nur noch unterstreicht. Coole Sache!
Mirko B.   
Punkte: 8.7 von 10
WOLFPAKK – Nature Strikes Back  (CD)
Masscare Records/Musikvertrieb
Nachdem ich beim letzten Streich «Wolves Reign» die Höchstnote zog, wird es wohl schwierig, noch einen oben drauf zu setzen? Aber schon der Titelsong, als Opener, zeigt, was das Projekt noch immer im Stande ist abzuliefern. Ja, neben dem ehemaligen Crystal Ball-Sänger Mark Sweeney und Mad Max-Mainman Michael Voss sind es insbesondere die Gastmusiker, welche dem Album ihren Stempel aufdrücken. Wie beim Titelsong mit Michael Sweet (Stryper) am Gesang und Mikkey Dee (Scorpions, ehemals Motörhead und King Diamond) am Schlagzeug. Oder «The Legend» das mit viel klassischen Parts um die Ecke kommt und durch Trommler Anders Johansson (ehemals HammerFall und Yngwie Malmsteen) und Gitarrist Joey Tafolla vervollständigt wird. So geben sich die Musiker die Klinke in die Hand, werden den jeweiligen Sängern die richtigen Songs aufs Auge gedrückt und machen Spass. Carl Sentance (Nazareth - «Beyond This Side»), Mats Léven (ehemals Candlemass - «Land Of Wolves» mit Ex-Kiss-Gitarrist Bruce Kulick), Perry McCarty (ehemals Warrior - «Under Surveillance»), Michael Bormann (ehemals Jaded Heart - «Lone Ranger» mit Shakra-Gitarrist Thom Blunier), Fernando Garcia (ehemals Victory - «Back One Day» mit dem ehemaligen Dio-Gitarristen Craig Goldy), oder Ronnie Romero (CoreLeoni - «A Mystery») servieren uns alles tolle Songs, die aber nicht darüber hinweg täuschen können, dass Wolfpakk ein Projekt ist und beim letzten Werk mehr wie aus einem Guss klangen. Dieses Mal werde ich das Gefühl nicht los, dass Mark mit seinen eigenen Idolen neue Songs einspielen wollte. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen negativ, sollte es aber nicht. Am Ende des Tages werden hier ganz tolle Lieder intoniert, denen aber, wie schon erwähnt, der Zusammenhang fehlt. Muss man aber gehört haben, denn viele Bands schreiben heute nicht mehr solche packenden Tracks.
Tinu   
Punkte: 8.6 von 10
CATTLE DECAPITATION - Death Atlas (Colored LP)
Metal Blade/Sony
Das ist es also. Nach 17 Jahren Tätigkeit bei metalfactory.ch erscheint hiermit meine vorerst auf unbestimmte Zeit letzte Arbeit. Hoffe, gut gedient zu haben, danke fürs Zuhören. Und glücklicherweise kreuzt sich dieser Termin mit einem Album, welches gerade dazu prädestiniert ist, seziert zu werden. Denn Cattle Decapitation befinden sich seit mehreren Jahren im Wandel von einer tiefer/schneller/brutaler-Vegetarier-Hupe zu einer Band, welcher musikalisch alles zuzutrauen ist und dabei nonchalant Missstände anprangert. Wie sie allerdings Tier-/Umweltschutz und ihre Teilnahme an einer Kilotonnen Schweröl verschleudernden Metalkreuzfahrt mit ihrer hochgelobten Kompromisslosigkeit vereinbaren lässt, entzieht sich meiner Kenntnis. Nichtsdestotrotz schön zu hören, dass sie ihre Transformation kontinuierlich weiterführen und sich dabei einmal mehr zu einer grösseren Lebensform gehäutet haben. Bereits das elektronische Intro zwingt dich auf einen beklemmend gebeugten Marsch durch Trümmer und Neuentstehung, Genozid und die globale Waagschale. Aber um glaubhafte Trümmer überhaupt herzustellen, braucht es erst mal einebnende Abrissbirnen. Und zwar solche wie die erste sonische Triplette, bestehend aus dem alle Stärken zusammenfassenden Killeropener "The Geocide", dem rasend bis getragenen "Be Still Our Bleeding Hearts" und dem brutalen "Vulturous" mit David Bowie-Subgesang im Refrain. Jeder einzelne Track verkörpert die neue, einiges entspanntere Ausrichtung dieser Ausnahmeband und verbindet brutale Tightness mit epischen, aber extremen Black/Sludge/Heavy Metal-Vibes.

Und auch wenn das allgemeine Brutalitätslevel im Vergleich zu den vorhergehenden Alben massiv gesunken ist, kann man sich der dystopischen Atmosphäre von "Death Atlas" nur schwer entziehen. Abwechslungsreicher, immer interessanter Gesang von guttural bis hin zu den bereits auf den letzten Alben lieb gewonnenen, dreckig-fies gesungenen Melodien (hier wimmelt es davon) bestimmt die grundlegende Szenerie dieses Gesamtkunstwerks. Dazu kommen noch viele Stimmlagen dazwischen, welche durchs Band mit hörbar viel Effort eingesungen wurden und für einen stets angenehmen Abwechslungsreichtum sorgen. Ich fühle mich gut unterhalten. Und da auch das flüssige Songwriting und die allesamt aufwendig in Szene gesetzte Instrumentierung durchgehend fett und vielschichtig produziert wurde, gibt es eigentlich an jeder Ecke und Kante dieses Trips etwas zu entdecken und bestaunen. Spannendes Kino. An fünfter Stelle des Albums taucht dann das erste von zwei kürzeren "The Great Dying"-Interludien auf, welche ähnlich dem Intro kurze Verschnaufpausen bieten, bevor man mit dem treibenden "One Day Closer To The End Of The World" und dem Albumhit "Bring Back The Plague" (beide mit einer dämonisch hirnfräsenden Gesangsmelodie ausgestattet) wieder leicht hypnotisiert ins Dunkel gezogen wird. So fühlen sich also taumelnde Motten auf dem Weg zur Flamme. Das anschliessende "Absolute Destitute" fällt im Vergleich punkto grosser Show zwar ein wenig ab, ist aber genau wegen dieser Bodenständigkeit und den wie immer unaufgeregt aufregenden Basslinien von Neuzugang Olivier Pinard (Cryptopsy) ein heimlicher Grower.

A propos "unaufgeregt"; Wie so meistens bei Produktionen dieser Härteklasse ist der angezerrte Bass eher spür- als hörbar und nur in ruhigen Momentan klar zu vernehmen. Ich bedauere diesen Umstand immer sehr, gerade wenn tolle Musiker wie Pinard mit einem differenzierten Sound nochmals eine ganze Ebene mehr hinzufügen könnten. Aber wie auch immer, musste das einfach mal loswerden. Nach dem zweiten Interludium werden dann zu "Finish Them" Riffs geschoben. Groovige Riffs, schnelle Riffs, doomige Riffs, viele Riffs. Cool, aber bis dato noch etwas unspektakulär wirkend. "With All Disrespect" beginnt dann brutal, schaltet aber bald ein paar Gänge zurück und wächst über seinen steigernden Verlauf zu einem echten Banger mit toller Gesangsmelodie. Im Anschluss folgt mit "Time's Cruel Curtain" ein Track welcher im ersten Drittel für alle Musiker ziemlich in die Gelenke gegangen sein dürfte und nach einem Übergang mit toll arrangiertem Fiesgesang ausklingt, bedrückend und trotzdem schön. Gegen Ende erklingt dann als Ouvertüre zum Titelsong mit "The Uneraseable Past" ein schwer an Dead Can Dance erinnerndes Intro, bevor mit dem über neunminütigen Schlussmoloch von brutal bis episch noch einmal sämtliche Register inklusive Gastsängern gezogen werden. Erst der sphärische Ausklang lässt dir dann langsam überhaupt bewusst werden, was für ein Monster von einem Album dich gerade überrollt hat und wie schnell 55 Minuten doch vergehen können. Und da auch die aufwändige, mehrschichtige Produktion (Dave Otero/Flatline Audio) sowie das tolle Cover (Wes Benscoter) die ganze Vision weiterführen, darf hier durchaus von einem Kleinod der extremen Töne gesprochen werden. Pflichtlektüre für alle Brutaloliebhaber mit musikalischem Anspruch. Reinhören!
Hardy 
Punkte: 8.5 von 10
WICKED PLAN – Land On Fire  (CD)
STF Records
Unser schweizer Heavy-Metal-Quartett aus Büren an der Aare startet mit «Land On Fire» in die dritte Runde und wieder einmal mehr liefern sie uns eine Ladung Schub und Power. «Land on Fire» ist klar der Nachfolger ihres zweiten full-lengths «Out Of Fire» - nicht nur namentlich, sondern auch musikalisch! Dan Keller zeigt uns abermals sein Talent als Gitarrist und Komponist – reissende Gitarrenriffe, -melodien und energiegeladene Soli ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und lenken bzw. dominieren die Musik Wicked Plans. Der 2019 hinzugekommene Drummer Martin Hämmerle treibt mit seinen schnellen Rhythmen die Musik voran und liefert enorme Energie. Ed Cuennet bildet an seinem Bass das Fundament der Klangpalette und erschafft zusammen mit Dan eine Härte in den Saiten, die überzeugt und fesselt. Und natürlich ist Natali Kellers kräftige, einzigartige Gesangsstimme unverwechselbar. Mein Kollege Oliver H. schrieb zum vorgängigen Studioalbum, ihre Stimme sei die weibliche Ausgabe von Bruce Dickinson – besser könnte man es nicht auf den Punkt bringen! Auch in den Kompositionen sind Einflüsse von Iron Maiden, aber auch von Stratovarius, Judas Priest oder Yngwie Malmsteen (insbesondere in den Soli) zu finden. Wicked Plan lässt eben den neoklassischen Heavy Metal wiederaufleben, nur dass sie diesen manchmal noch mit orchestralen Elementen ergänzen. Mitreissend, einschlagend, hart und melodiös – so könnte das Quartett beschrieben werden. Einfach geil!
Sina 
  
Punkte: 8.5 von 10
LOVEKILLERS - Feat. Tony Harnell  (CD)
Frontiers Records/Muskvertrieb
Könnt ihr euch noch erinnern an die Hammeralben "Intuition" und "Tell No Tales"? Ja klar, zwei Alben der Norweger TNT mit dem Ausnahmegitarristen Ronnie LeTekro. TNT verloren sich dann in diversen Problemen. Musikalisch wie auch personell. Nun hat sich Harnell zusammengetan mit dem Keyboarder Alessanro Del Vechio, ja genau der, der auch Hardline wieder flott gekriegt hat. Der spielte hier übrigens auch den Bass ein. Und die beiden haben ein starkes Album erschaffen. Klingt ganz klar nach den glorreichen 80ern. 11 Songs, die von der Melodie und Stimme des Ausnahme-Sanges leben. Schwer da einzelne Tracks hervorzuheben, da alle elf einfach klasse sind. Ja, man könnte glatt sagen, so hätten TNT damals weitermachen sollen. Harnells Stimme hat nichts von seiner Faszination und stärke verloren. Die Produktion ist ebenfalls sehr gelungen. Nur die Gitarren, von Gianluca Ferro, sind nicht ganz so virtuos gespielt, es kann eben nur einen LeTekro geben. Wobei ich Ferros Fähigkeiten auf keinen Fall schmälern möchte. Er ist ein wirklich toller Gitarrist, der genau weiss, was ein Song braucht. Hört euch nur mal die Ballade "Who Can We Run To" an. Wie TNT in alten Zeiten. Also, wer TNT liebte, vor allem die oben genannten Werke der Norweger, oder wer auf sehr melodiösen Hard Rock der 80er steht, für den ist Lovekillers ein absolutes Muss. Welcome back Tony Harnell.
Crazy Beat   
Punkte: 8.5 von 10
HELLVETICA – B.F.J. (EP)
Eigenvertrieb
Hellvetica steht für explosive Shows, extremes Stageacting, fetter Livesound und eine starke Interaktion mit dem Publikum. Ihr Sound ist schnell, bretthart und gehört am ehesten in die Modern Thrash-Ecke. Garniert wird das Ganze mit einer Packung Punk und Hardcore! Bereits seit 2004 tingeln die Aargauer durch die heimischen Lande, seit ihrer Veröffentlichung „Against The Odds“ im Jahre 2017 haben sich Hellvetica aber definitiv auch in Europa als ernstzunehmende aufsteigende Band etabliert. Das Album wurde sogar von dem Webzine „Old Tendencies“ auf Platz 10 der besten Thrash-Alben von 2017 gewählt. 2019 wurde die Truppe 15 Jahre alt und zelebriert dies mit dem EP- Release „BFJ“. Die Scheibe ist gespickt mit sieben fetten Knallern, die allesamt heftig die Hirnrinde durchschütteln. Angefangen mit „Mohawk Spikes“ brettert der Hellvetica-Zug gnadenlos durchs Wohnzimmer und hinterlässt eine Spur der musikalischen Verwüstung. Spätestens bei „Fuck What They Say“ gibt es für die Hörer eine Hardcore-Granate, die sich gewaschen hat. Heftig, deftig und mit sattem Beat schlägt das Herz eines jeden Fans innert Kürze nach dem Takt des Songs. Das „Tor zur Hölle“ öffnet sich im Anschluss und hat bestimmt mit seinem Oh-oh-oh-gesang einen Part, der Live für Partystimmung sorgen wird. Der Rausschmeisser und Titeltrack „BFJ“ bündelt nochmals die ganze Energie in 3:50 Minuten bevor wieder ungewohnte Stille einkehrt. Solange Kombos wie Hellvetica ihr Unwesen treiben, braucht man sich über den Mangel an guter Musik im Heimatland keine Sorgen zu machen. Diese Veröffentlichung verkörpert „Thrash with Attitude“ besser als alles zuvor!
Oliver H.  
Punkte:
keine Wertung
DARKTRIBE - Voici L`Homme  (CD)
Scarlet Records
Dies ist das Zweite Album der Proggie-Franzosen. Stratovarius, Helloween, HammerFall und Dragonforce-Fans werden jubeln. Da die neun Songs ihres neuen Albums eine Schnittmenge all dieser Bands ergeben. Der Opener "Prism Of Memory" klingt schon mal sehr vielversprechend. Klare Stimme, geile musikalische Umsetzung und dazu eine eingängige tolle Gesangsmelodie. So geht’s auch gleich weiter mit dem ebenso starken Titeltrack. Einige Parts des Songs werden auf Französisch gesungen, coole Idee. Die abwechselnden Einflüsse oben genannten Bands ergeben hier einen überaus spannenden Mix der einzelnen Tracks. Musikalisch spielen die Franzosen hier auf hohem Niveau, ohne sich in instrumentalen Orgien zu verlieren. Man hört in kurzen Parts immer wieder das grosse musikalische Können heraus. Die Jungs haben tolle Ideen und passende Gesangsmelodien dazu. Genau das brauchen starke Songs. Textlich handeln die Lieder nach eigener Angabe der Band vom Neuen Testament der Bibel, na wer`s mag. Aber die Musik der Franzosen überzeugt voll und ganz, lebt von Abwechslung, Gefühl und gleichzeitig auch Härte. Bestens hörbar beim grossartigen "The Hunger Theory". Hier wurde alles richtig gemacht. "Voice L`Homme" ist ein grossartiges Album geworden.
Crazy Beat  
Punkte: 8.4 von 10
EDGE OF FOREVER – Native Soul  (CD)
Frontiers Music / Musikvertrieb
Bei dieser Formation handelt es sich um eines der frühen (erfolgreichen) Projekten des italienischen Melodic-Spezialisten Alessandro Del Vecchio. Gegründet wurde es bereits 2002. Vor allem die ersten beiden Outputs „Feeding The Fire“, 2004 und „Let The Demon Rock'n'Roll“, 2005 fanden breite Beachtung. Nach dem weniger erfolgreichen Album „Another Paradise“ 2010 steht die Band nun unerwartet mit dem vierten Streich „Native Soul“ vor der Tür. Obwohl Bassist Nik Mazzucconi (Labyrinth) der einzige des letzen Line Up ist, konnte mit den Neuzugängen Aldo Lonobile, Guitar, Secret Sphere und Marco Di Salvia, Drums, Hardline eine homogene und schlagkräftige Truppe formiert werden. Einerseits scheint sich dabei die langjährige Partnerschaft mit dem Label Frontiers, anderseits die immense Erfahrung von Alessandro positiv ausgewirkt zu haben. Mr. Del Vecchio hat sich nämlich zwischenzeitlich auch als Produzent und Songwriter einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Nach wie vor ist er aber auch als Keyboarder und Sänger über sämtliche Zweifel erhaben. Zwischenzeitlich war er immerhin an gegen 40 Alben beteiligt. Nun, mit Edge Of Forever wird uns bester Melodic/Hard Rock geboten. Obwohl man dabei das Rad nicht neu erfindet, wurden äusserst fundierte Songs verfasst, die durch geradlinige und gehaltvolle Melodien überzeugen. Den a cappella Song „Three Rivers“ an den Anfang zu stellen zeugt von Mut, aber auch von hohem Selbstbewusstsein und dem Drang, sich vom Gros abzuheben. Starkes Album mit Charisma, aber, als einziger Wermutstropfen, leider auch ohne echtes Highlight. Für Melodic-Fans trotzdem fast unentbehrlich.
Chris C.  
Punkte: 8.3 von 10
ELDEN – Nostromo  (LP)
Fuzzorama Records
"... treibendes Schlagzeugspiel, turbogeladene Sabbath-Riffs und Vocals, die Ozzy aus dem 21. Jahrhundert sind." steht da im Infoblatt. Den Satz könnte glatt ich geschrieben haben, denn in der Tat höre ich da einige Parallelen. Mit den Sabbath-Riffs ist das zwar so eine Sache, kann man durchaus auch etwas differenzierter sehen, denn abgesehen vom Gitarrensolo in „Sail & Savour“ halten sich die sonoren Verbeugungen vor Master Tony Iommi in eher engen Grenzen, zumal es den Leser auch dazu verleitet, die schwedische Band fälschlicherweise in der Doom-Ecke zu verorten. Den Verweis auf John „Ozzy“ Osbourne erachte ich hingegen als durchaus realistisch. Schliesst die Augen und hört euch mal eine Nummer wie „Fossilised“ an. Danach wird kaum jemand noch behaupten können, der Titel hätte nicht auch auf einem der späteren Werke des Madman eine gute Figur abgegeben. Aber selbstverständlich hat das Quartett noch sehr viel mehr zu bieten, schliesslich stammt es ja aus jenem Land, das gefühlt mehr Bands als Einwohner vorzuweisen hat. Alles in allem haben wir es hier mit einem ausgewogenen Mix aus Modern Metal und eher traditionellen Klängen zu tun, der erstaunlich gut funktioniert und selbst dann nicht konstruiert wirkt, wenn (nicht allzu extreme) Blastbeats eingesetzt werden, denen sich der ansonsten sehr sauber und auf Harmonie bedachte Sänger selbstredend mit aggressiven Vocals anpasst („Creatures Follows“). Coole Band mit vielen originellen, frischen Ideen und viel Potential, reinhören!
Mirko B.    
Punkte:
8.2 von 10
UNHERZ – Mainstream  (Digipak)
Massacre Records/Musikvertrieb
Dieses Deutschrock-Album bietet ein metallisches Brett, dass sich hören lassen kann. So und nicht anders muss eine Heavy Metal-Band klingen. Dass es trotzdem nicht für eine Best-Note reicht, hat ganz andere Gründe. Aber beleuchten wir zuerst die positiven Seiten. Unherz bieten auf ihrem achten Werk 15 Lieder, die sich teilweise zu Ohrwürmern entwickeln. Die Texte sind abwechslungsreich und mal sozialkritisch, dann wieder eher prollig. Damit decken sie eine grosse Bandbreite ab, die Deutschrockfans sehr gefallen dürfte. Dazu kommen Hymnen, Balladen und Rocksongs. Was dem Album aber fehlt, ist die Kompaktheit und die Durchschlagskraft – und das trotz des knackigen Gesamtsounds. 69 Minuten sind für dieses Werk schlicht zu lange. Das hätten Unherz umgehen können, in dem sie zum Beispiel die eine oder andere Refrain-Wiederholung weggelassen hätten. Was mich ebenfalls stört, sind die Streicher-Einsätze bei „Leben am Limit“. Dieses Weichspülelement passt weder zur Musik noch zum rohen Gesang. Dazu kommen Texte, die vorgeben tiefsinnig zu sein, sich bei genauer Betrachtung aber als undifferenzierte Pauschal-Parolen herausstellen. Gute Bespiele dafür sind „Ihr wisst es nicht“ oder „Hornhaut am Arsch“. Positive lyrische Beispiele gibt es dagegen mit „Eigene Legende“ oder „Hänsel und der Nachbar“. Das neue Unherz-Album bietet also Sonne und Schatten. Für das neunte Album wünsche ich mir, dass die Band noch ehrlichere Texte verfasst, und sich weniger hinter ausgelutschten Phrasen versteckt. Dass sie es können, haben die Deutschen auf ihren immer wieder bewiesen. "Mainstream" ist bei aller Kritik ein gutes Album, allerdings eines mit Luft nach oben.
Roger W.     
Punkte:
8.0 von 10
 
ANNIHILATOR – Ballistic, Sadistic  (LP)
Silver Lining Music/Warner
Jeff Waters ist Alleinregent auf dem Annihilator-Schiff. Von einer Band kann man schon lange nicht mehr sprechen, auch nicht von den Meisterwerken der ersten Stunde, welche der Kanadier veröffentlichte. Von diesen ist der Chef weit entfernt. Auch mit dem neuesten Streich. Aber haben Iron Maiden jemals wieder ein «Powerslave» veröffentlicht, oder AC/DC ein «Back In Black»? Eben! So bleiben auch «Alice In Hell», «Never, Neverland» und «Set The World On Fire» im Annihilator-Lager weiterhin unerreicht. Klar sind es noch immer die Riffs, aber leider auch die fehlenden Hits, welche in den letzten Jahren das Bild prägten. Also, wie hört sich «Ballistic, Sadistic» an? «Psycho Ward» könnte ein Vermächtnis aus den alten Tagen sein. Die Gitarre dominiert, der Rhythmus knallt und die Stimme von Jeff bleibt gewöhnungsbedürftig. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass die Stärke von Annihilator auf der Bühne ist und bleibt. «I Am Warfare» ist ein typischer Thrash-Hammer, wie man ihn heute von den Kanadiern kennt. Es fehlt an der Harmonie und der Melodie. Es wird gebolzt und geprügelt. «Out With The Garbage» ist ein toller Hammer, der von der Rhythmik und den Gitarren bestimmt wird. Instrumental gibt es absolut nichts zu bemängeln, aber wie so oft wäre weniger mehr. Was früher sehr schnell den Weg in die Gehörstuben fand, sucht heute länger nach dem Eingang. Die oben erwähnten Tracks, wie auch «Lip Service», bei dem endlich wieder ein melodischer, virtuoser Part ausgepackt wird, sind Beispiele dafür, dass die Truppe nach wie vor auf dem richtigen Weg sein könnte. Ansonsten bestimmt die schnelle Keule das Geschehen. Dies hat Jeff früher cleverer verpackt und klang nie... monoton. «Ballistic, Sadistic» ist ein gutes Album geworden, das man sich aber öfters anhören muss, damit es sich entwickelt. Passt zu den letzten Alben, somit fehlt der Hitanteil, aber es bleibt noch immer ein Werk, das aus der Masse herausragt.
Tinu     
Punkte:
8.0 von 10
MARKO HIETALA - Pyre Of The Black Heart (Transparent Vinyl, LP)
Nuclear Blast/Warner
Nachdem der stimmgewaltige wie hauptamtliche Nightwish Bassist und Sänger Marco Hietala seine Hammerstimme, nebst bei Tarot und Delain, über Jahre bei zig anderen Songs, respektive Bands beigesteuert hat, verwundert es eigentlich, dass es so lange gedauert hat, bis das erste eigene Solo-Album das Licht der Welt erblickt. Nun ist es aber definitiv so weit, und zusammen mit Gitarrist Tuomas Wäinölä (Raskasta Joulua, Ex-Kotipelto), Tastenmann Vili Ollila (Raskasta Joulua) sowie Anssi Nykänen (Ex-Raskasta Joulua, Ex-Timo Tolkki) hat sich nun Marko (der Vorname Marco gilt übrigens als Künstler-Vorname) dem Material gewidmet, das er bisher nicht verewigen konnte. Dabei handelt es sich nicht nur um eigene Songs, und möglich wurde das Ganze aufgrund des Zeitfensters, bevor es mit Nightwish wieder weiter geht. Wo also Marko (oder Marco) Hietala drauf steht, erzeugt beim geneigten Fan eine bestimmte Vorstellung, wie das wohl klingen mag, und genau diese wird mit «Pyre Of The Black Heart» wohl überwiegend nicht abgedeckt. "Hard Prog" gibt der Meister selber dazu zu Protokoll, und das hört man bereits beim Opener «Stones», wo das gewohnte metallische Brett, trotz dem unverkennbaren Gesang, ausbleibt. Auch «The Voice Of My Father» gibt sich vergleichsweise zahm, kokettiert mit leicht psychedelischen Vibes und lässt Markos Gesang, zusammen mit seinem typischen Bassspiel, zuerst mit deutlich weniger Power brillieren, um danach mit seiner Varianz zu glänzen. Die anschliessenden Keyboard-Sequenzen von «Star, Sand And Shadow» hören sich eingangs zu 100% nach Altmeister Vangelis an, ehe die Chose mit dem einsetzenden Gitarren-Riff in Richtung Melodic Rock abdriftet. Auch «Dead God's Son» zeigt sich zuerst lieblich, mündet anschliessend in einen "opulenteren Part" und würde sich bei Nightwish bestens anstellen. Der mit 07:10 Minuten längste Song trägt den Titel «For You» und sorgt für mehr Ruhe als Aufregung. «I Am The Way» trägt dann erneut den Stempel des erwähnten "Hard Prog", während «Runner Of The Railways» zu einer Fahrt in der musikalischen Achterbahn einlädt. Nebst nachfolgenden "eher schrägeren Klängen" versöhnt der akustisch dominierte Rausschmeisser «Truth Shall Set You Free» die Zuhörer wieder. «Pyre Of The Black Heart» ist definitiv das persönlichste Werk von Marko "Marco" Hietala und bereichert den bisherigen wie umfangreichen Backkatalog um eine weitere Facette. Das Ganze gibt es auch live und zwar am 14.02.2020 im Z7 in Pratteln.
Rockslave     
Punkte:
8.0 von 10
CRUSADE OF BARDS – Tales Of Bards & Beasts
Pride & Joy Music
“Tales Of Bards & Beasts” ist das Debut der (Pirate) Symphonic Metal Band Crusade Of Bards aus Spanien. Ja, sie beschreiben sich auf ihrer Facebook-Page als Pirate Metal – nein, sie haben stilistisch rein gar nichts mit Alestorm zu tun. Das “Pirate“-Thema trifft insbesondere in den Pseudonymen und ihrer Kleidung zu, es ist jedoch auch in den Texten zu finden und teils in einzelnen Passagen/Melodien (u.a. mit eingesetzten Pipes) im Album. Ansonsten sind die Kompositionen von epischer Orchestrierung, kraftvollen Melodien und komplexem Aufbau durchzogen. Sie begeistern mit harten Riffs, die bombastisch verziert und virtuos weitergesponnen sowie verarbeitet werden. Die Liedverläufe sind durch ihre hohe Komplexität spannend gestaltet – die Entwicklung ist für den Hörer kaum einschätzbar, das Hören gestaltet sich wie eine Reise durch energiereiche, wundervolle und düstere Eindrücke. Sängerin Captain Eleanor Tenebre komplettiert die Atmosphäre mit ihrem lieblichen Operngesang, der an sich kraftvoll und einzigartig daher tritt, jedoch im Verlauf des Albums meiner Meinung nach ein bisschen monoton wirken kann. Sie wird von gezielt eingesetzten Growls ergänzt, was der Musik immer wieder eine angenehme Abwechslung verleiht. Allgemein besetzt das Sextett die traditionellen Instrumente, ergänzt durch die Cellistin Mery “Deep Red“. Zwei der Mitglieder, Keyboarder Paolo “The Bard” Andreotti und Schlagzeuger Jorge “You” Homobono sind ebenfalls bei der Oriental Metal Band Sechem zu hören. In «Tales Of Bards & Beasts» sind zudem zwei Gastauftritte zu hören: Lady Ani (Last Days Of Eden) in der energiereichen Bombe «The Golden Vessel» sowie Henning Basse (Firewind, MaYan) in der emotionalen Ballade «An Ocean Between Us - Part II - Ulysses' Cry». Somit haben Crusade Of Bards mit ihrem Debut viel zu bieten und ich bin sehr gespannt, wie es in ihrer Karriere weitergeht.
Sina    
Punkte:
8.0 von 10
ODIOUS MORTEM - Synesthesia  (CD)
Willowtip Records
Aus San Francisco, U.S.A., kommen Odious Mortem und präsentieren auf 'Synesthesia', welche 10 Songs beinhaltet, genialen, technischen, leicht progressiven, brutalen Death-Metal in seiner reinster Form. Der amerikanische Vierer zelebriert förmlich den technischen Death-Metal in seiner reinsten Form, bedenkt man(n), und selbstredend auch frau, befinden sich doch 13 Jahre zwischen dem zweiten Release und eben 'Synesthesia', ohne dass sich dabei Odious Mortem als Combo aufgelöst hätten. Somit ist es wie der Phönix aus der Asche, diese deathige Auferstehung oder einfacher ausgedrückt, das Ende des deathigen Schweigens. Somit kommen da ansatzweise Spawn Of Possession, Suffocation, Soreption, Atheist, Cynic, Necrophagist, First Fragment und Konsorten als Vergleich, was eine deutliche Ansage von Odious Mortem ist. Da wird komplexer, intelligenter, technischer, progressiver, brutaler Death-Metal zelebriert. Der Gesang ist im brutaleren Growl zuhause, jedoch ist es wohl eine Kombination von gutturalem Gesang und heftig-brutalstem, thrashigem Shout-Screaming, was bestens zum brutalen Sound passt. Ist das Gitarrenriffing sehr ausgewogen, technisch hochstehend und stets in 'Bewegung', so sind die Soli, Arpeggi, Tappings das Pendant zum brutalen Gesang, denn die Soli sind sehr melodiös, filigran und technisch hochstehend gehalten. Der Tieftöner steht dieser Filigranität und Virtuosität in nichts nach. Die Drums sind teil blastend, grindcorend, dann wiederum sehr mit versierten Patterns versetzt gehalten, wobei der thrashig-deathige Hauch des Double-Basses stets mit von der Partie ist. Die Produkion ist druckvoll und sauber gehalten, das Coverartwork ist sehr abstrakt und genial, somit steht hierbei ebenfalls der Zugang in die Ahnengalerie nichts mehr im Wege. Ja, hier haben wir bereits ein wahrlich erstes Highlight des Jahres 2020. Zu weit aus dem Fenster gelehnt? Nein, Ehre wem Ehre gebührt, Odious Mortem haben mit 'Synesthesia' ein Masteralbum abgeliefert.
Leopold    
Punkte:
8.0 von 10
INGRIMM – Auf Gedeih und Verderb
Hardy Entertainment
Das fünfte full-length Album «Auf Gedeih und Verderb» der 2005 gegründeten deutschen Mittelalter Metal Band Ingrimm schlägt wie gewohnt mit voller Wucht ein. Die brachialen, ratternden und harten Gitarrenriffe, getrieben von schnellen Rhythmen, bilden die Basis ihrer Kompositionen. Mit mittelalterlichen Instrumenten, beispielsweise Drehleier oder Dudelsack, werden tolle Akzente gesetzt, die den Kontrast zur dominierenden dumpfen Musik bilden und dem Verlauf eine tolle Abwechslung verleihen. Durch «Auf Gedeih und Verderb» sind in den Gitarrenriffs oft Einflüsse aus dem Thrash- oder dem Power Metal zu hören, die durch melodiöse Passagen abgelöst oder ergänzt werden. Die raue, energiereiche Stimme René Brandts komplettiert das Konstrukt mit direkten, kritikreichen Texten, welche sich auf das Mittelalter, sowie auf unser heutiges Leben beziehen. Dadurch, dass sein Gesang zwischen erzählend, fast schon gesprochen, und emotional gesungen abwechselt, zieht er den Hörer in den Bann. Insbesondere seine Stimme, teils auch die Kompositionen, erinnern stark an In Extremo. Zudem sind in vielen “Breakdown“-Momenten perfekt gesetzte Growls zu hören, die die Härte des Sextetts nochmals unterstreichen. Schnell möchte man die energiereichen Refrains mitschreien und sich dem reissenden Rhythmen hingeben. Die zwölf Tracks bilden in der gesetzten Reihenfolge einen tollen Verlauf – Ingrimm hält die Spannung durch Wechselspiele in diversen Ebenen aufrecht und fesselt den Hörer in seinen Bann. Ein tolles Album, welches sich durch seine Härte und Geschwindigkeit vom typischen Mittelalter Metal abhebt.
Sina
     
Punkte:
8.0 von 10
ROME - The Dublin Session  (CD)
Trisol Music Group
Irische Folksmusik ist under Rock- und Metalfans beliebt und somit kann ich mir gut vorstellen, dass für den einen oder anderen die neue Scheibe der Neofolkband ein beliebtes Stück in der Musiksammlung darstellen wird. Nachdem der Kopf der Band, Jérôme Reute etwas Zeit im Land der Kobolde verbrachte, entstand dieses entspannende Werk, welches einen richtig runterkommen lässt. Eigentlich ist es ein Volksmusikalbum, denn selbst der Rock ist sehr sanft und kaum hörbar. Aber solch eine Abweichung ins extrem Ruhige ist manchmal sehr erfrischend. Nicht ganz eine halbe Stunde lang wird der Hörer entführt und gute Laune ist garantiert. Definitiv nicht mein typisches, tendenziell härteres Repertoire. Der Irish Vibe ist eben auf seine ganz eigene Art und Weise magisch. Die sanfte Abwechslung tut gut und umgarnt die Ohren gekonnt. Von mir ein fettes Plus. Irland-Fans sind bestens bedient, Wer wirklich Rock-Rock oder noch mehr sucht, wird diesmal nicht bedient.
Mona    
Punkte:
8.0 von 10
ZERO THEOREM - The Killing I
SAOL
Satter Hard Rock mit Metal-Dynamik und eine grosse Portion Nachdenklichkeit - Das ist der erste Teil der neuen, lyrischen Projekts des hierzulande nicht wirklich bekannten Quintetts aus Los Angeles. Episch, Melodisch, passend zur aktuellen Welle des modernen Metals und thematisch tiefgehend. "Die Abneinung von Vortäuschungen falscher Tatsachen" spielt eine grosse Rolle im textlichen Albumkontext. Überraschend ist die Albumlänge. Fünf Songs, Gesamtspielänge 15 Minuten. Hoppla. In der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze. Das Album hört sich wie im Fluge durch und irgendwie scheint es weder zu kurz noch zu lang. Da wurde massiv Arbeit reingesteckt und ordentlich etwas überlegt. Mehr wäre da wahrscheinlich zu viel des Guten. Die Musik hört sich zwar nicht überaus happy an, dennoch hebt sie die laune gekonnt. Eine gewisse Leichtigkeit im soliden Rock verleiht dem stilistisch vertrauten Sound eine neue Frische. Da ist man ja auf den Nachfolger gespannt.
Mona     
Punkte:
8.0 von 10
DYSCORDIA - DeleteRewrite  (CD)
Road Mark/Bertus
'DeleteRewrite' ist heftiger Progressive-Power-Speed-(Thrash)-(Death)-Metal feinster Form. Dyscordia stammen aus Kortrijk, Westflandern, ergo aus Belgien. Wenn man in der Vergangenheit sich mal umher hört, so weiss frau bzw. man(n), dass die Belgier ein sehr gepflegtes Händchen für gepflegten, extravaganten und interessanten Metal stehen. So geschehen auch auf 'DeleteRewrite' von Dyscordia, dem belgischen Sechser, der eben den dritten Longplayer in die Runde wirft und mit 10 imposanten und sehr druckvoll dargebrachten Tracks wiederum auf sich aufmerksam macht. Auch hier schallt einem eine sehr druckvolle Produktion in die Gehörgänge, gepaart mit einem sehr eindrücklichen Cover-Artwork, yep, findet den Eintritt in die Ruhmeshalle. Wieso denn Progressive-Power-Speed-(Thrash)-(Death)-Metal? Well, da wird hauptsächlich schon in cleanen Vocals gesungen und geshoutet, doch beherrschen die Gesangsartisten auch die Macht und Gabe, gekonnt in leichten, gutturalen Gesangsgilden einzutauchen und diese problemlos sauber mit dem cleanen Gesang zu kombinieren. Yep, das soll erstmal gekonnt sein, meine Damen und Herren. Klar, die Songstrukturen und der Gesamtsound kommen aus dem progressiv gehaltenen Power-Speed-Metal, doch merkt frau bzw. man(n) schnell mal, dass die Brücke zwischen dem powerdesken Metal zu eben dem speedigen, thrashigen und thrashig-deathigem Metal ebenfalls gekonnt und problemlos beschritten werden. Nebst dem herausragenden Gesang stehen die Instrumentalisten in Nichts nach, denn da gibt's massenweise sehr groovig-progressive Power-Speed-Metal-Riffs, gepaart mit vertrakten Riffs, Melodien und hervorragende Soli, Arpeggi und atmosphärischen Momenten. Der Tieftöner erklimmt auch oft die hymnenenhaften Hochtöne, will schreiben, sehr filigran. Die Drums tänzeln und zaubern zwischen vertrakten Paradiddles und straightem und heftigem Double-Bass. Da gibt's auch denn auch den herrlichen, klaren Leadgesang, welcher abwechselnd auch in das brutale Shouting und Growling rübergeht, welcher auch von zwei weiteren Instrumentalisten als Backgroundgesang gehalten wird. Ansatzweise erinnert mich es an Dream Theater, Manticora, Nevermore, Blotted Science und Konsorten. Ein wahrlich hervorragender Output mit viel Schmackes.
Leopold     
Punkte:
8.0 von 10
HYPERBOREA - Umbra  (CD)
Art Gates Records
Wow, was für ein Death-Metal-Kracher! Hyperborea aus Bulgarien, genauer gesagt aus Sofia. Der Fünfer lässt es ganz ordentlich auf 'Umbra' krachen, dem dritten Longplayer, welcher mit 9 Tracks bestückt worden ist. Es ist traditioneller Death-Metal in heftigster Form. Was ist traditioneller Death-Metal? Nun, Bands à la Grave, Dismember, Unleashed, Vader, Arch Enemy (eher die älteren Releases), Obituary oder Benediction, welche hier ansatzweise herhalten. Eben, traditioneller Death-Metal. Da wird in eher schnellerem Tempo gedeathet, will schreiben, sehr knackiges, grooviges Riffing mit klaren Strukturen, gepaart mit abstrakten und vertrakten Momenten, welche eine gewisse Progressivität in die Songs einfliessen lässt. Selbstredend dürfen die kurzen, prägnanten Soli nicht fehlen. Auch der Tieftöner lässt seine Vielseitigkeit und Eigenmächtigkeit gekonnt einfliessen. Die Drums sind meist im speedig-thrashig-deathigen Double-Bass gehalten, welche in längere Blastbeats und mit Grindcore-Parts versehen wird, jedoch ohne den notwendigen und gewünschten Groove-Effekt missen zu lassen. Die Growls sind sehr tief und markant gehalten. Die Produktion ist sehr sauber, vielleicht etwas zu sauber (?), gehalten, doch sicherlich gelungen. Das Coverartwork blickt dich schonungslos an, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein gelungener Output einer mir bislang unbeachteter Band, welcher nun mit 'Umbra' sich in meine Hirnzellen dennoch erfolgreich eingebrannt hat. Ach ja, es raucht immer noch aus meinen Ohren, dieser getätigte Brand in meine Festplatte...
Leopold     
Punkte:
7.9 von 10
ERELEY - Diablerie  (CD)
Massacre Records/Musikvertrieb
Eine weitere progressive Erscheinung namens 'Diablerie', von den Tschechen Ereley erreichte unsere geheiligten Redaktionshallen. Progressive-Metal mit Eintauchen in den Doom, Industrial und weiteren düsteren, erkundbaren musikalischen Formen. Ja, die fünf Tschechen kommen hierbei sehr schleppend und mächtig daher, sehr mystisch und atmosphärisch. Auch werden Klassik-Elemente fein miteingebaut sowie rockiges, progressives Songwriting miteingefügt, was den Gesamtsound sehr weitreichend erschallen lässt. 10 Songs die nur so vor Abwechslung strotzen. Durch die Keyboards und Synthesizer wird es richtig majestätisch und sehr melancholisch, da die Rhythmusgitarren stets mitreiten und dann auch mal ausbrechend agieren, jedoch nie den berühmt berüchtigten roten Faden verlierend. Ebenfalls werden melodiöse Soli und Melodylines hinzugefügt, welche dann auch vom Tieftöner aufgenommen werden und diese sehr eigenwillig interpretiert werden, was wiederum ein weiteres Törchen des musikalischen Schwalles öffnen lässt. Die Drums kommen druckvoll, doomig, dann wiederum Double-Bass-lastig und powernd rüber, die mit teils klarem, druckvollen Gesang, wie auch leicht heiserige Shouts und Screams hinübergehen. Eine druckvolle Produktion sowie ein interessant gestaltetes Coverartwork rundet 'Diablerie' ab, welches mich ansatzweise an Opeth und Angehörige mich erinnert. Ein sehr gelungener und interessanter Zweitling.
Leopold
     
Punkte:
7.9 von 10
HORNED ALMIGHTY - To Fathom The Master's Grand Design   (LP)
Scarlet Records
Uh, heftiger Black, Grindcore, Blast, Death schallt mir da in meine Gehörgänge rein, yep, namens 'To Fathom The Master's Grand Design' von Horned Almighty, dem sechsten Longplayer des Dänen-Vierers aus Aarhus. 8 Songs, welche mehrheitlich im Black-Metal beheimatet sind, diese jedoch sehr eigenwillig dargeboten werden, will schreiben, man schreckt nicht von deathigen, speedigen, thrashigen Elementen zurück, welche dann sehr heftig mit Blastbeat- und Grindcore-Parts zusammengeknüpft werden. Produktionstechnisch kommt das sechste Album sehr sauber rüber, auch das Coverartwork ist sehr stark gelungen. Der Gesang ist wohl eher etwas Black-Metal-Untypisch, da dieser eher sich in den tieferen Gesangslagen sich herumtrollt, auch nicht extrem guttural, sondern eher leicht thrashend-shoutend und -screamend. Auch wird auf interessante Ryhtmuswechsel im Songwriting geachtet, so dass es gar einen leichten, progressiven Einschlag erhält, das 'To Fathom The Master's Grand Design' und diese Angelegenheit eben sehr interessant erscheinen lässt. Auch die Klampfe kommen rhythmisch variantenreich daher, gepaart mit kurzen, teils sehr filigranen Soli untermalend. Der Tieftöner tänzelt zwischen dem Quetschbalken und den blastenden, grindcorenden, trioliserenden, double-bass-lastigen und speedig-thrashigen Drums. Black-Metal ist die Basis, die Zutaten sind jedoch sehr weitreichend hergeholt. Erinnert ansatzweise an Carpathian Forest, leicht etwas an Bathory. Sehr gelungen.
Leopold     
Punkte:
7.8 von 10
XENOS - Filthgrinder  (CD)
Club Inferno Entertainment
Herrlich, was die drei Italiener von Xenos mit 'Filthgrinder' so raushauen. 9 Thrash-Songs im Stile von Slayer, Annihilator, Xentrix, Megadeth und Konsorten. Schnörkellos wird hier guter, alter und moderner Thrash-Metal in all seinen Facetten zelebriert. Die Produktion ist klar und sauber, das Coverartwork lässt keinen Zweifel und Wünsche mehr offen. Was? Ihr kennt Xenos nicht? Ehrlich gesagt, ich bis jetzt eben auch nicht, denn 'Filthgrinder' ist deren ersten Output, und was für einer. Virtuos und technisch auf höchstem Niveau. Da wird heftig gerifft, ein Thrash-Riff-Monster an das andere nahtlos angeknüpft, eher im Hyperspeed-Modus angelehnt, was Xenos sehr gut steht. Die Soli, Arpeggi und Tappings grenzen an höchstem, virtuosen und musikalischem Können. Da Xenos als Trio fungieren, ist der Tieftöner beinahe 'gewzungen', die virtuosen und technischen Fähigkeiten des Klampfenmeisters mitzugehen, was dieser auch vollführt und daher kann getrost geschrieben werden, dass sich Xenos mit 'Filthgrinder' im technischen Thrash-Metal eingenistet haben. Der Schlagwerker zelebriert sein Double-Bass in vollster Reinkultur, will schreiben, ebenfalls auf hohem, technischen und musikalischem Niveau. Ja, und dennoch kommt der Groove nicht zu kurz, kommen Breaks und vertrakte Songstrukturen stets zum Zuge. Auch der etwas eigenwillig, jedoch hervorragend dazu passende Gesang, will ebenfalls schreiben, das bekanntere thrashige Shouting, passt bestens zum vertrakten, technischen Thrash-Metal. Yep, da werden die getätigten Überlegungen zum intelligenten Songwriting förmlich dargeboten. Ein fantastisches Debut einer sehr talentierten Band von unserem südlichen Nachbarn. Yep, ein fantastisches Debut!
Leopold     
Punkte:
7.8 von 10
MORTIIS – Spirit Of Rebellion  (Digipak)
Omnipresence Productions / Dead Seed Productions
Nun es ist ja schon einige Jahre her, seit Mortiis bei Emperor ausgestiegen und erstmal als Soloprojekt die gleichnamige Band gegründet hat. Dabei hatten die Werke in den 90er nichts mehr mit dem Black Metal seiner einstigen Formation zu tun, sonder Mortiis tauchte ein in die dunklen Keller der Geistes und lieferte Ambient oder, wie mir das Promoschreiben vorgibt, Dungeon Synth Klänge ab. Dies änderte sich dann seit dem Album „The Grudge“ (2004) radikal und der Stilwechsel hin zu Industrial Rock wusste nicht jedem Fan wirklich zu schmecken. Ob damals die Neuausrichtung von den Musikern wirklich gewollt, oder die Sache mehr den finanziellen Aspekt berücksichtige (Manson war ja damals gross am kommen), entzieht sich meiner Kenntnis, jedoch vermute ich mal mit dem Industrial Rock waren mehr Leute zu erreichen als bloss mit ein paar Synth-Klängen für versierte Rollenspiel-Zocker. Nun, Manson ist nicht mehr so beliebt, wie er es mal war, und seit Game Of Thrones, der neuen Witcher-Serie und den Unmengen an RPGs die sich da draussen tummeln, ist der Fantasy-Sektor wieder äusserst beliebt bei Gross und Klein. Dies ist ja grundsätzlich auch nicht weiter verwunderlich in einer heutigen Zeit, wo trotz der Globalisierung noch Ansichten vorhanden sind wie beispielsweise, dass Homosexualität mittels intensiver Schmerztherapie zu „heilen“ sei. Wenn also so mittelalterliche Ansätze die angehenden Therapeuten von Morgen formen, warum dann sich nicht gleich ganz und gar in eine Fantasiewelt flüchten, wo man selber der strahlende Ritter ist, der die dämonischen Horden niederstreckt und die holde Prinzessin aus den Klauen des Bösen befreit.

Den Soundtrack dazu liefert Mortiis mit „Spirit Of Rebellion“ ab, denn, ja es erstaunt, der Meister hat zu seinen Anfängen zurück gefunden und betitelt dieses neue Werk als eine Reinterpretation, Erweiterung und der Fortführung des Band-Klassikers „Ånden som Gjorde Opprųr“ der Mitte 90er Jahre veröffentlicht wurde. Der Synth-Sound tönt praktisch wie damals und abgesehen von ein paar hintergründigen Choralgesängen gibt es weder Gesang, Gitarre, noch Bass zu hören. Die zwei Songs, welche es zusammen auf über 50 Minuten Spielzeit bringen, sind also definitiv keine Nackenbrecher und haben grundsätzlich mit Metal nichts zu tun. Die gebotenen Ambient-Klänge jedoch formen durchaus eine düstere und teils bedrohliche Atmosphäre, die grundsätzlich zu gefallen weiss. Leider verliert sich dabei die teils gute Dynamik in eher langweiligen Parts, aber wenn Mortiis aufdreht, dann bekommt das Ganze richtig Fahrt und man fühlt sich direkt auf dem Weg in eine blutige Schlacht. „Spirit Of Rebellion“ ist also der perfekte Soundtrack, wenn man sich in Fantasy-Werke vertieft und dabei geistig mit den Nazgûl sich in die Lüfte erhebt oder mit Geralt von Rivia gegen die Schergen von Nilfgaard kämpft. Mit Romantik hat „Spirit Of Rebellion“ jedoch etwa gleich viel zu tun wie von der Domina seines Vertrauens mittels Umschnalldildo in den Allerwertesten penetriert zu werden, somit erwartet keine lieblichen und fröhlichen Melodien von diesem Werk. Also guter Stoff für Fantasy-Fetischisten, weniger für Nackenbrecher und Schmerztherapeuten geeignet.
R.K.
 
Punkte:
7.7 von 10
VERITATES – Killing Time
Pure Steel Records
Ein anständiges, wenn auch nicht überragendes, Debütalbum präsentieren uns diese Powerthrasher aus Köln und Lörrach. Mit V.O. Pulver und André Grieder (beide Poltergeist) haben es neben anderen Musikern gleich zwei in der Schweiz bekannte Grössen als Gäste auf das Album geschafft. Das Werk selber ist eine gute Mischung aus klassischem Heavy Metal und Thrash Metal. Der im Promoschreiben gezogene Vergleich zu Iced Earth zur Matt Barlow-Ära ist durchaus nachvollziehbar. Songwriterisch ist "Killing Time" definitiv gelungen. Auch wenn die möglichen Hits fehlen. Vielleicht wären diese eher live auszumachen. Besonders hervorragend erklingt das 11-Minütige „Hangman Also Die“. Dieses erinnert in seinem Aufbau gar an epische Iron Maiden. Was mich bei diesem Werk allerdings stört, ist der Gesang. Der dafür Verantwortliche Andreas von Lipinski quetscht die Töne richtiggehend aus sich heraus, egal in welcher Höhe er gerade singt. Dabei entstehen Frequenzen, die seine Stimme zwar einzigartig machen, bei mir aber mit zunehmender Dauer Kopfschmerzen auslösen. Würde der Sänger seine Technik ändern, könnte mein Urteil deshalb noch besser ausfallen. So bleibt ein ordentliches Debüt, das Heavy Metal-Fans gerne antesten dürfen.
Roger W.
 
Punkte:
7.5 von 10
LOTUS THIEF - Oresteia  (Red Vinyl)
Prophecy Productions
Lotus Thief aus San Francisco nehmen uns mit ihrem dritten Album "Oresteia" auf eine Achterbahn der Stimmungen mit. "Agamemnon" ist ein Song mit lieblichem Gesang und postmetallischem Unterbau, der trotz einiger Wutausbrüche sehr gefühlvoll aus den Boxen quillt. Dieses Wechselspiel kennt man von Bands dieser Musikrichtung nur zu genüge. Lotus Thief machen es nicht schlecht und spielen mit den verschiedenen Stimmungen. "Banishment" ist ein unnötiges, zweiminutenlanges und nervendes Rauschen! Folkig beginnt "Libation Bearers", aber das Wechselspiel lässt nicht lange auf sich warten. Im Song gibt es noch einen abgespaceten Prog-Teil. "Wae" ist ein weiteres unnötiges Zwischenspiel! Warum nur?! "The Furies" ist eine Ballade, die wie eine überdosierte Schlaftablette bei mir ankommt. Aufgelockert wird der Song durch Flüsterpassagen und elektronischen Einsprengsel. Ein unsägliches Zwischenspiel stellt "Reverence" dar. Unspektakulär geht es mit "Sister In Silence" weiter. "The Kindly Ones" ist ein ganz stiller Rausschmeisser. Dieses Album ist zu unspektakulär, um bei mir einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen!
Roolf  
Punkte:
7.5 von 10
BRITISH LION - The Burning (2 LPs)
Warner Brothers UK
Obwohl Iron Maiden in den letzten Monaten zumindest gefühlt ständig auf Tour waren, fand Mainman Steve Harris offenbar etwas Zeit, um mit seiner anderen musikalischen Spielwiese namens British Lion ein neues Album aufzunehmen. Da das selbstbetitelte Debüt Ende 2012 erschien (!), meldet sich die Truppe wohl gerade noch rechtzeitig zurück, um nicht vollends in Vergessenheit zu geraten. Einzelne Live-Auftritte in der Zeit, mitunter auch bei uns in der Schweiz, hinterliessen jedoch kaum einen bleibenden Eindruck, da die Mucke unter dem Strich einfach zu wenig Eier aufweist. Somit hängte ich mich beim Zweitling «The Burning» zu Beginn eher zögerlich rein und erwartete erstmal nichts. Der erste Durchlauf liess mich dann zwar nicht gerade wie Rumpelstilzchen vor Freude herum hüpfen, aber obwohl das Cover-Artwork plus der Titel deutlich mehr Energie suggerieren, ist bei British Lion eine spürbare Steigerung auszumachen. Und dies hat nichts mit dem berühmten Mann am Bass zu tun! Vielmehr setzt sich erstens Frontmann Richard Taylor klar besser in Szene, und zweitens hebt sich vor allem die Gitarrenarbeit der Herren Hawkins und Leslie dezidiert vom uninspirierten Erstling ab. Stilistisch wird nach wie vor Hardrock britischer Prägung geboten, der jedoch ruhig noch etwas mehr Dampf in Richtung von zum Beispiel Tygers Of Pan Tang hätte vertragen können. Kritisch wird es auf so einer Scheibe aber vor allem dann, wenn, wie beim Song «Legend», unterschwellig Vocal-Vibes von U2 bis Coldplay (!) durchschimmern. Iron Maiden findet man, umrahmt mit dem bekannten Bassspiel von Master Harris, höchstens etwas bei «Spit Fire» vor, wo gar ein paar metallische Momente auszumachen sind. Mit halbballadesken Klängen zu «Native Son» klingt «The Burning» nach einer Stunde wohltuend aus und lässt untrüglich erkennen, dass mit dem gleichen Line-up doch noch was zu holen ist.
Rockslave
   
Punkte:
7.5 von 10
OBERST - Paradise  (CD)
Indie Recordings
Auch die Norweger sind ein ganz verwegenes Völklein und musikalisch stets innovativ. Da kommt der Vierer namens Oberst mit 'Paradise' genau in dieselbe Lücke namens Innovation. Ja, es ist nicht ganz einfach Kost, was mit den 10 Songs auf 'Paradise' intoniert wird, denn es wird Hardcore mit Schmackes dargeboten. Schmackes? Yep, Osloer-Schmackes. Yep, Hardcore mit progressiven Rock- und Metal-Elementen. Yep, Hardcore mit auch post-metallischen Anleihen. Erinnert teils an die 'Krautrock-Ära' der 70iger, also progressivem Rock, rein vom Songwriting und der Vertraktheit der 10 Tracks auf 'Paradise'. Ansatzweise erinnert mich dies an Mastodon, Baroness, Converge oder Cult Of Luna und es zeigt, wie vielseitig Oberst daherrollt, unbekümmert, musikalische Grenzen überschreitend. Die Gitarre ist nicht so verzerrt daherkommend, eher in rockiger Manier, rifft jedoch dennoch ganz ordentlich, gepaart mit melodiösen Linien und kurzen, melodiösen Soli untermalt. Der Tieftöner kommt klar daher, mit Walking-Bass-Lines zockend. Die Drums erdonnern sich beinahe tänzelnd, swingend und ultraleicht daher, gepaart mit Groove, Abwechslung, ebenfalls sehr rockig-punkiger Stil. Die Vocals kommen Zeter-Mordio schallend rüber, wütend, keifend, erinnert mich etwas an den Ur-Grunge aus Seattle. Die Produktion ist sauber gestaltet, das Coverartwork passt perfekt zum dargebotenen Sound, wie schreibt man so schön, eben, die berühmte Faust auf's Auge. Yep, da hilft wohl eh das Reinhören und Reintasten, denn Oberst zeigen auf, was für Möglichkeiten der Hardcore bereit hält.
Leopold  
Punkte:
7.5 von 10
UNREQVITED - Mosaic II  (Purple Vinyl)
Prophecy Productions
Aus dem fernen Kanada kommen Unreqvited reingeschneit. Bedrohlich und doch verträumt, startet das Album mit "Nightfall". Musikalisch sind die unendlichen Weiten des Post Metal angesagt. Durch melancholische Melodien wird eine unheimliche Stimmung erzeugt. Aber leider kommt der Song ziemlich blutleer rüber. "Wasteland" könnte als Soundtrack zu einem Science Fiction-Film nicht passender sein. Leider kommt dieser Song nicht auf den Punkt und zieht sich in unendliche Längen! Hier wäre weniger definitiv viel mehr. "Pale" beginnt sanft mit engelsgleichem Gesang. Sanft treibt dieser Song wie Weltraumschrott durchs All. Und so ist "Pale" mit einer wunderschönen Melodie ausgestattet und eine romantische Ballade obendrauf. Mit Kometenstaub ist "Disorder" berieselt und man wähnt sich auf der Milchstrasse. Mit messerscharfen Riffs wird dieser Song gekonnt aufgelockert, bevor man endgültig weggebeamt wird! Höchste Zeit für Scottie: Please, beam me up! "The Ambivalent" ist nichts anderes als eine undefinierbare Geräuschekulisse aus dem Motorenraum eines Raumschiffes. Mit Geklimper von einem Klavier kommt "Transcience II -The Gentle Void" ganz langsam in die Gänge und ist ebenfalls ein instrumentales Intermezzo. Mit "Transience III - The Static" wird es noch futuristischer und krachiger zugleichen Teilen. Die letzten drei Song kann man getrost vergessen, wer aber gerne einen Soundtrack zum neuen Star Wars-Film sucht: bitte antesten!
Roolf  
Punkte:
7.5 von 10
ERDLING - Yggdrasil  (2 CDs)
Out of Line Music
Das vierte Studioalbum der Bayrischen Gruppierung ist hart, leicht am Mittelalter inspiriert und klingt nach Gothin. Schon die ersten Töne sprechen mich an und die dominierende Neue Deutsche Härte, die etwas sanft gehalten wird, dürfte auch Fans aus anderen Sparten ansprechen. Irgendwie nordisch, irgendwie philosophisch, das Album überrascht mit jedem Song aufs Neue und auch wenn ich es ehrlich gesagt nicht wirklich einordnen kann, muss ich zugeben, dass es mir gefällt. Die Band hat hörbar viel Energie in die Musik, aber auch in das epische Albumcover gesteckt und die Albumqualität lässt keine Wünsche offen. Etwas erstaunlich ist die Vermischung der nordischen Thematik mit Dark Rock. Man soll das Buch ja bekanntlich nicht nach dem Umschlag bewerten. Sieht man nur das Cover und den Albumtitel erlebt man schon eine Überraschung. Nichtsdestotrotz ist es für meinen Geschmack eher eine positive Überraschung. Die Nachdenklichkeit vermischt mit dem elektronischen Sound passt perfekt in die Gruftiszene, könnte aber auch Fans von Rammstein und anderen NDH Bands gefallen, nicht zwingend den Metallern auf den klassichen Schienen. Paradoxerweise scheint die harte Musik ruhig zu sein. Definitiv etwas ungewohntes trotz aller vertrauter Elemente. Probieren ist angesagt!
Mona
  
Punkte:
7.0 von 10
ARVAS – Equanimity  (CD)
Satanic Art Media
Die Band Arvas hat eine lange und komplizierte Geschichte hinter sich. Von der Gründung 1993 in Bergen, Norwegen bis 1999 existiere die Band unter dem Namen «Örth». Als sich das Mitglied «Grim» umbrachte, hörte man nichts mehr von der Band, bis 2001 das Projekt unter dem Namen «Arvas» wieder aufgenommen wurde. Sie waren weiter bis 2006 aktiv, danach war wieder eine Pause bis 2008, von dort an existiert die vierköpfige Band bis heute. Bei Arvas haben wir es mit ganz klassischem Black Metal der Second & Third Wave zu tun. Das Intro «Andante Noire» ist ein reiner Dungeon/Synth-Titel, mit etwas Schlagzeug und Chor als Begleitung. Der nächste Song «Thoughts In Despair» startet gleich mit allem, was diese Band zu bieten hat: Blast Beats, schredernden Gitarren und ganz viel Screams & Growls. «Wastelands» geht genau gleich weiter, obwohl sich noch eine melodische Komponente durch das Lied kämpft. Dieser zugegeben etwas eintönige, aber mächtige Stil zieht sich so schnell und brutal, wie er ist, weiter bis «My Devil», der Siebte Song des Albums, der mit sehr viel Gitarrensoli und einigen guten Riffs spielt. Der achte Track «The Horned One» fällt eher langsam und schwer aus, bis sich der schleppende Sound im letzten drittel wider im Rest des Albums einordnet. Im zweitletzten Track «Times Gone» ändert sich nichts, auch der letzte Song «Masked Jackal» bleibt im gleichen Stil - bis auf einige Soli und melodische Elemente. Das Album ist im Grossen und Ganzen nicht schlecht, es ist etwas eintönig, macht aber Spass und hat Power. Ich persönlich müsste in der Stimmung dafür sein, um es ganz durchzuhören, einfach so geht das nicht.
Simu
  
Punkte:
7.0 von 10
HELD HOSTAGE – Epic  (CD)
Metal Mania Records
Tim «Ripper» Owens hilft wieder mal bei einer Band aus. Dieses Mal ist es die Ami-Truppe Held Hostage, bei denen auch der The Rods-Trommler Carl Canedy mitspielt. Oder nun doch eher Ian Evans? Es ist auf jeden Fall ziemlich verwirrend, wer denn da nun alles mitmacht... Hoffen wir, dass Bandgründer Tom Collier den Durchblick behält. Musikalisch bietet die Truppe interessanten Metal/Hard Rock, der logischerweise durch die Farbpallette von Tims Stimme einem Schub nach vorne bekommt. So ist «Tonight's The Night» ein bösartiger, langsamer Twisted Sister-Track mit einem psychopatischen Gesang. Während «Hollywood» ein lockerer Rock-Song mit Piano ist. «I'm All Over You» hat einen lockeren Cinderella- und AC/DC-Groove und «Rock'n'Roll Explosion» an Alice Cooper erinnert. Über allem schwebt das The Rods-Flair. «Epic» ist ein typisches US-Metal Album geworden mit einer starken Schlagseite zum Hard Rock. Eines, das man sich anhören kann, das aber auch die ganz grossen Momente vermissen lässt. Da kann auch ein Ripper die Kohlen nicht aus dem Feuer holen.
Tinu  
Punkte:
7.0 von 10
T.O.M.B – Thin The Veil  (LP)
Dark Essence Records
Mit über 20 Jahren Banderfahrung machte die vierköpfige Band einen grossen Teil der Entwicklung des Black Metal mit und hat diesen auch beträchtlich mitgeformt. Die Schweden fahren mit diesem Album, das in ihrem klassischen Industrial/Noise/Doom/Avant–Garde/Black Metal-Stil gehalten ist, grobe Geschütze auf. Sie haben Unterstützung von Mayhems Drummer Hellhammer und weiteren Gästen wie Craig Smilowski (EX – Immolation) und einigen mehr. «No Return», ab hier gibt es klar hörbar kein zurück mehr. Wir werden mit allem, was die Band in die Finger bekommt und in vollem Tempo vom ersten Track eingesogen, der etwas abrupt und eintönig daher kommt, aber doch fetzig ist. «Where The Wretched Lurk» ist ein gut gelungenes Noise/Doom-Experiment, das mir sehr gefällt. Auch «Pestilence» kommt speziell daher, wieder eher Black Metal-lastig aber mehr als alles andere auf das Schlagzeug fokussiert, was eine ungewohnte Note mit sich bringt. Ich sehe, bei dem Album wurde sich was überlegt. «Invocation» ist auch sehr einzigartig, eine beschwörerische stimme mit etwas Noise darunter begleitet uns in die Mitte des Albums. Der fünfte und zugleich Titeltrack «Thin The Veil» kommt wieder musikalischer daher und zwar richtig schön schleppend in alter Funeral/Doom-Manier. Hat jemand die Blast Beats vermisst? Da sind sie! Bei «Decapitation Of The Gods» wird in einer Geschwindigkeit geblastet, die sich sehen lassen kann. Hier sind wir wieder voll im Black Metal drin. Danach kommt «Lunar Reckoning» und bremst das Ganze wieder ein bisschen, immer noch sehr auf die Drums fokussiert, entschleunigt dieser Song aber auf seine beschwörerische Art ungemein. Richtige Nostalgiegefühle kriege ich bei «Escape From Phlegethon», der Track kommt direkt aus dem first/early second wave Black Metal und tönt so richtig schön old school. «License To Depart» ist wieder ein Experiment, das leider meinen Nerv nicht so trifft. Eine Mischung aus Synth und Harsh / Industrial Noise die hier etwas deplatziert scheint. Am Ende wird nochmal der Black Metal hervorgeholt. «Pure Noise Necromancy» und «Hellmouth» sind second wave, schnell, brutal und kraftvoll. Das ganze Album ist gut durchdacht und gleichzeitig auch ein Experiment, das mal mehr, mal weniger funktioniert hat. Gut ist es auf jeden fall, ob es etwas für meine Bibliothek ist.. da bin ich mir noch nicht sicher.
Simu
  
Punkte:
7.0 von 10
DREAMLORD – Disciples Of War  (CD)
No Remorse Records
Die griechischen Thrasher von Dreamlord bringen ihren ersten Output raus. Musikalisch irgendwo zwischen Testament und Sacred Reich klingt alles sehr vertraut und toll. Wenn man aber schon dermassen bei den Grossen abkupfert, sollte die eigene Note nicht zu kurz kommen. Hier fehlt sie noch. Sprich, es klingt vieles zu sehr auf Kopie, denn auf "wir klauen und machen was Eigenes daraus". Was mir hier richtig gut gefällt, ist der Gesang von Babis Paleogeorgos, der sich immer wieder wie Phil Rind (Sacred Reich) anhört. «Disciples Of War» ist ein gutes Album geworden, das seine Fans finden wird. Speziell jüngere Metalheads sollten hier ein Ohr voll riskieren, sie werden begeistert sein von der Abwechslung aus langsameren Parts («The 11th Hour»), die ebenso gut ins Gesamtbild passen, wie auch die schnelleren Teile («Blinded Eyes»). Antesten!
Tinu
  
Punkte:
7.0 von 10
MIDNIGHT – Rebirth By Blasphemy  (Grey Marbled Vinyl)
Metal Blade/Sony
Höre ich Midnight, denke ich sofort an den fantastischen Ur-Sänger von Crimson Glory. Die Band Midnight hat aber überhaupt nichts mit dem Shouter zu tun, sondern ist eine reine Speed-Combo, mit Black Metal-Geschrei. Schade, denn der Sound wäre richtig gut, wie schon der Opener «Fucking Speed And Darkness» erahnen lässt. Erinnerungen an die alten Venom sind nicht von der Hand zu weisen, wobei die Englänger damals noch eine gehörige Spur dilettantischer ans Werk gingen. Leicht "episch" (Titelsong), dann wieder mit Geschwindigkeit («Escape The Grave», «Devils Escrement», «Cursed Possessions», «Raw Attack») und auch mal mit einer gehörigen Portion Rock'n'Roll («The Sounds Of Hell») erklingt das vierte Album. Alleinunterhalter Althenar, der aus Cleveland, Ohio stammt, geht gar nicht gross den Weg, die Truppe als Band erkennbar zu machen, sondern ist für alle Instrumente alleine verantwortlich. Auch eine Art, sich selber zu verwirklichen. «Rebirth By Blasphemy» hat durchaus hörbare Momente, kommt direkt auf den Punkt und gefällt. Sicher kein Highlight, aber ein Werk, das man sich zum "Austoben" bestens anhören kann.
Tinu
  
Punkte:
7.0 von 10
SONS OF APOLLO - MMXX (Gatefold, 3 LPs)
InsideOut Music
Vor zwei Jahren erschien mit «Psychotic Symphony» das Debüt der hochgehandelten Supergroup um Jeff Scott Soto (v), Ron "Bumblefoot" Thal (g), Billy Sheehan (b), Mike Portnoy (d) und Derek Sherinian (keyb), welches mich aber nicht wirklich vom Hocker haute. Für einmal konnte die zugegeben sehr erlesene Riege der Instrumentalisten nicht punkten. Der düstermodern gehaltene Prog Metal fügt sich trotz der überragenden Technik der einzelnen Protagonisten zu keinem schlüssigen Ganzen zusammen. Viel zu selbstverliebt musiziert das hochkarätige Ensemble vor sich hin und lässt, bis auf die jazzigen Ausflüge (zum Beispiel bei «Signs Of The Time») und dem seltenen Lichtblick bei «Divine Addiction», wenig echte Freude aufkommen! Prog-Nerds sehen das mit Sicherheit ganz anders, aber ich habe mir das Teil seither kaum bis gar nicht mehr angehört. Womöglich ein kapitaler Fehler, doch der orchestral gepimpte Nachfolger «Live with the Plovdiv Psychotic Symphony» (2019) war dann voll ein Schuss in den Ofen. Wer sich das Monster-Teil am Stück auferlegt, bleibt danach komplett erschlagen und nicht etwa geplättet zurück. Somit stellte sich mir die berechtigte Frage, was mich nun auf dem zweiten Studioalbum mit dem schlichten wie gleichzeitig schlüssigen Titel «MMXX» erwartet. «Goodbye Divinity» als Opener offenbart gleich mal einen breiteren Sound, wo Rons Gitarre zudem weniger dominant gegenüber den restlichen Instrumenten abgemischt wurde. So kann sich vor allem der Gesang von Jeff besser entfalten und auch Dereks Keyboards sind ausgewogener bezüglich der Lautstärke. «Whither To Black» bollert anschliessend im gewohnten Stil der Söhne von Apollo daher, das heisst dominiert durch wiederum düsteres Guitar-Shredding, untermalt mit solistischen Synthie-Einlagen und einem Flitzefinger Guitar-Solo. Spätestens bei «Asphyxiation» schrammelt es wieder wie auf dem Debüt daher. «Desolyte July» sorgt wenigstens mal für gedrosselte Tempi. Dazwischen gibt es nicht mehr viel wirklich Neues zu hören, und der fast 16-minütige Schlusstrack «New World Today», inklusive typischem Basssolo von Billy, lässt eher die Nerds und unseren Crazy-Beat als mich jubeln. Da sind mir dann Flying Colors deutlich zuträglicher!
Rockslave 
Punkte:
6.8 von 10
BLACKWALL - Crown Of Creation
Eigenvertrieb
Beginnen wir mal mit dem Fünfer namens Blackwall aus dem Berner Seeland, genauer gesagt aus Biel/Bienne, die mit 'Crown Of Creation' eine fabulöse EP mit 6 Tracks veröffentlichen, der in Sachen Brutalität, Death-Metal, melodiösen Soli und Melodylines in Nichts missen lässt. Zudem zeichnet 'Crown Of Creation' eine druckvolle, saubere Produktion, sowie ein starkes Coverartwork, welches ganz genau hinweist, wo der durstige Bartli den deathigen Most herholt. Death-Metal mit metalcorischen Anleihen, ergo Death-Metalcore mit Melodie und Abwechslungsreichtum. Fette, deathige Rhythmusgitarren, melodiöse Lines und schnelle wie auch sehr tragend melodiöse Soli, ein treu begleitender Bass zu den Gitarren, leicht thrashig-hardcorisch angehauchte Double-Bass-Drums und ein sehr markant, böser und tiefer Scream- und Shoutgesang, an der Grenze des Gutturalen, zeichnet diese Output aus. Da warten wir doch gerne mit diesem Tapas auf den nächsten, zweiten Longplayer dieser Eidgenossen. Erinnert mich ansatzweise an The Black Dahlia Murder, Cannibal Corpse und Konsorten.
Leopold  
Punkte:
keine Wertung
ACID MAMMOTH - Under Acid Hoof  (LP)
Heavy Psych Sounds Records
Wenn der Vater mit dem Sohne... dann geht es in diesem Fall nicht um Heinz Rühmann, der sich im gleichnamigen Filmklassiker rührend um den kleinen Teddy Lemke kümmert, sondern um Chris Babalis Senior, der in der Doom Band aus Griechenland Seite an Seite mit seinem gleichnamigen Sohn in die Saiten greift. Abgesehen von diesem kleinen, witzigen Detail sind Acid Mammoth jedoch eine absolut typische Heavy Psych Sounds Records Band. Im Klartext bedeutet das, dass der Haufen fette Doom – Riffs mit sattem, dem Stoner Rock entlehntem Fuzz – Sound versieht und über einen Sänger verfügt (der soeben erwähnte, Gitarre spielende Chris Babalis Jr.), der sich mit seinem nasal gepressten Gesang mal mehr mal weniger an Ozzy Osbourne orientiert. Ist ja an und für sich alles gut und recht, nur mangelt es den Griechen noch an Eigenständigkeit und Originalität. Mir fehlt auf ihrem Zweitling einfach dieses gewisse Etwas, das Alleinstellungsmerkmal, welches diese Truppe einzigartig machen könnte. Dabei soll natürlich nicht das Rad neu erfunden werden, das verlangt kein Mensch, aber es würden schon Kleinigkeiten ausreichen, um den eigenen Sound originell zu gestalten. Ein griechisch-orthodoxer Mönchschor hier, der punktuelle Einsatz landestypischer Instrumente und Harmonien dort, einfach etwas mehr Mut aus den festgefahrenen Genre – Wegen auszubrechen, und schon würden einige Leute mehr hellhörig werden. So bleibt „Under Acid Hoof“ zwar ein absolut solides – aber zugleich wenig originelles Werk, das lediglich die Standarterwartungen befriedigt.
Mirko B.  
Punkte:
6.7 von 10
BONDED – Rest In Violence  (LP)
Century Media/Sony
Was machen eigentlich die von Sodom-Mastermind Tom Angelripper geschassten Musiker, Bernemann (Gitarre) und Makka (Drums)? Korrekt, Bernd Kost und Markus Freiwald gründen eine neue Truppe, nennen sich Bonded, erregen damit schon mal einen Querverweis zu Exodus («Bonded By Blood») und hauen mit «Rest In Violence» das erste Album raus. Die ersten Klänge lassen erahnen, dass es sich hier um sehr geilen Thrash handelt, der aber mehr mit dem alten Overkill-Sound verheiratet ist denn mit Exodus. Musikalisch ist das ein verdammt geiles Werk geworden, aber sobald sich Sänger Ingo Bajonczak die Stimme raus krächzt, ist bei mir Ende im Schacht. Schade, denn Songs wie das groovige «Godgiven» oder die Thrash-Keule «Suit Murderer» sind richtig geile Tracks. Das ist das grosse Problem, das ich mit allen neueren Thrash-Truppe habe, weil mir der Gesang mächtig auf den Sack geht und ich mich dann viel lieber den alten Helden zuwende. Was im Fall von Bonded sehr, sehr schade ist. Der Titelsong zeigt auch, wenn Bobby «Blitz» Ellsworth von Overkill singt, der Song eine ganz andere Dramatik bekommt und mit einem «richtigen» Shouter dieses Album ein Killer geworden wäre. Da auch die Abwechslung auf dieser Scheibe nicht zu kurz kommt, hört euch nur «Je Suis Charlie» oder «The Rattle And The Snake» und «No Cure For Life» an, bin ich enttäuscht, dass die Jungs sich hier gesanglich alles verbauen.
Tinu 
Punkte: 6.5 von 10
DRAGONLORE – Lucifer's Descent  (CD)
Pure Steel Records
Der liebe Gesang! Wer hat eigentlich mal erzählt, das kreischender hoher Gesang den Heavy Metal bereichert? Oder dass dieser sogar zu klassischem Heavy Metal passt? Okay, bei Judas Priest und Helloween (mit Michael Kiske) funktioniert das hervorragend. Bei King Diamond suche ich aber bereits das Weite. Fakt ist, dass bei mir gefühlt 90 Prozent von Bands mit einer solchen Gesangstechnik Brechreiz auslösen. So verhält es sich leider auch mit dem Debütalbum der Amerikaner Dragonlore. Wer mit den hohen schrillen Klängen ebenfalls nicht klar kommt, darf spätestens jetzt zum nächsten Review wechseln. Alle anderen könnten an "Lucifers Descent" Freude habe. Denn klammert man den Gesang aus, entpuppen sich die Amerikaner als fähige Liederschreiber, denen eine gute Mischung aus Melodie und Härte gelingt. Zwar verpassen sie auch hier klar den Sprung in eine höhere Liga, als anständiges Undergroundwerk geht "Lucifers Descent" aber ohne Probleme durch. Zumal sich Dragonlore um Abwechslung bemühen und sowohl das Tempo wie auch die Liederlängen variieren. Diese reichen von 3.5 bis 7.5 Minuten. Unter dem Strich bleibt aber auch nach längerem „Dauerquälen“ kaum was hängen. Was aber bei mir am nervenden Gesang liegen könnte. Wer mit dieser Stimme klar kommt, wird dieses Album sicher anders bewerten. Für mich bleibt es aber ein gewöhnungsbedürftiges Underground-Werk, das ich mir nach Ende des Verfassens dieser Zeilen kaum je wieder einmal anhören werde.
Roger W. 
Punkte: 6.5 von 10
OCEANS – The Sun And The Cold  (Blue Vinyl)
Nuclear Blast/Warner
Kenner wissen es schon lange: Beinahe immer, wenn eine Band ein Wort mit „Sky“, „Horizon“ oder „Ocean“ im Bandnamen führt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um keine traditionelle Band handelt. Meist ist die Musik im Metalcore angesiedelt oder vertritt zumindest einen modernen Ansatz. Oceans bilden da keine Ausnahme, vereinen Mitglieder aus Wien, Coburg und Berlin und haben sich einem interessanten Cocktail aus Death und Black sowie Dark, etwas Post und Modern Metal verschrieben. Klingt wirr? Ist es auch! Wie der Titel „The Sun And The Cold“ bereits verrät, ist es ein Album, das von Gegensätzen und Brüchen lebt. Es ist eine Kunst, diese verschiedenen Welten in Symbiose erklingen zu lassen, doch der Schuss kann aber auch schnell nach hinten losgehen, wenn dies zu beliebig erscheint. Dieser Gefahr sind Oceans durchaus ausgesetzt, denn nicht immer sind die Übergänge gelungen. Einem Flickenteppich gleich werden Arrangements durcheinander geworfen, ohne dass ein musikalisches Muster erkennbar wäre. Am besten klingt „The Sun And The Cold“, wenn grosse, melancholische Refrains wie im Track „We Are The Storm“ und „Legions Arise“ ausgepackt werden oder wie in „Dark“ der grosse Fuss zum Stampfen herausgeholt wird. Das steht der Truppe wirklich gut. Dazwischen bleibt leider ausser bruchstückhaften Fragmenten nichts hängen, obwohl alles handwerklich sehr gut gemacht ist. Oceans bietet einen bunten Strauss an musikalischen Einflüssen, der sich aber über die ganze Platte hinweg als zu ambitionierter Genre-Mix herausstellt.
Oliver H. 
Punkte: 6.5 von 10
MINOTAURUS – Victims Of The Underworld
Limb Music
Ja, es gab mal Skyclad, die haben den ganzen Folk-Sound inspiriert und gegründet. Das weiss bloss heute niemand mehr, weil die Engländer ein bisschen im Untergrund verschwanden. Was Minotaurus hier abliefern, ist nichts anderes als eine gemässigtere Version davon, mit zusätzlichem weiblichem Gesang und dass die Truppe aus Bayern kommt, nicht aus Skandinavien. Mit ihrem mittlerweile sechsten Werk werden sie die Fans ansprechen, welche dem Pagan Metal und dem Folk-Sound vieles abgewinnen können. Qualitativ auf einem interessanten Level gehalten, fliesst der Sound trotzdem vorbei und hinterlässt keine Spuren. Selbst «Hymn For The Nation», mit seinen Thin Lizzy-artigen Gitarren kann nicht punkten. Auf einem keltischen Fest oder bei den Highland Games aber sicher eine Truppe, die begeistern wird.
Tinu  
Punkte: 6.0 von 10
BEACH SLANG - The Deadbeat Bang Of Heartbreak City
Bridge Nine/Quiet Panic
Irgendwie erinnern mich diese Jungs stellenweise stark an Roxette, nicht wegen der stimme, sondern wegen der Atmosphäre, der Beschwingtheit, welche der Rock-Sound mit sich bringt. Der Sänger hat eine angenehm rauhe, beinahe flüsternde Stimme, die aber keine grosse Reichweite beherrscht. Macht im Prinzip nicht so viel, hätte aber zu einem abwechslungsreicheren Gesamteindruck beigetragen. Nun, Beach Slang spielen eine Art Rockmusik, welche irgendwie an glitzernde Las Vegas-Welten erinnert, dann wieder an dreckige, verrauchte Biker-Bars, nur um mit akustischen Gitarren schmachtfetzen par excellence anzustimmen. Wirklich gross ist bei mir jetzt nichts hängengeblieben, deshalb attestiere ich Beach Slang, dass ihr Sound zwar kurzfristig funktionieren wird (sei es auf Konzerten, an Parties etc.), aber längerfristig gesehen ist diese Chose nix.
Toby S.  
Punkte: 6.0 von 10
ARCANA 13 - Black Death (EP)
Aural Music
Hmm... Einerseits höre ich immer wieder alte Doom-Meister im Sabbath-Stil aus dem Sound der Italiener, aber irgendwie schaffen sie es, die Stimmung nie lange halten zu können. Da flutscht dieser Track relativ unbemerkt an einem vorbei, ohne, dass irgendwas hängen bleibt. Also nicht wirklich. Ganz nett und handwerklich auch sicherlich völlig in Ordnung, aber irgendwie fehlt dem Sound das gewisse Etwas. Für mich ist er kurz gesagt einfach langweilig. ABER: Was gar nicht geht, ist das Cover von Iron Maiden's Klassiker "Wrathchild" - da hätte man unter allen Umständen besser die Finger davon gelassen. Kann ich nicht empfehlen, wer auf zahnlosen Doom-Ansatz steht, kann sich die Italos mal antun. Ich tue mir selbst einen Gefallen und beende das Hören dieser Mucke.
Toby S.  
Punkte:
keine Wertung
THE DIRTONS - The Call Of The Raven (EP)
Eigenvertrieb
Ich schätze es ja sehr, wenn die einheimische Szene sich entwickelt und kreativ ist. Wirklich. Im Falle der Dirtons jedoch nicht. Das hat so seine Gründe: Das ganze Gemisch klingt wie ein naiver Punk-Aufguss in Kombination mit bescheuerten Lyrics (auch wenn man immer wieder bestimmte Worte wiederholt, es macht die Sache nicht besser). Dazu kommt auch eine gewisse Theatralik, welche in dieser Kombo überhaupt nicht passt. Spricht man jetzt von einer besonderen Art Avant Garde? Nun, wie dem auch sei - wer auf verschrobene Mucke steht und wem es nicht 'innovativ' genug sein kann, dürfte an den Baslern seine Freude haben. Ich geh mal eine rauchen, das hält man doch im Kopf nicht aus.
Toby S.  
Punkte:
keine Wertung
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